Netzwert vs nutzlos

Bilder ziehen an. Texte verbinden.

Bilder sagen mehr als tausend Worte? Sicher: Geht es um Kunst – ob Gemälde, Foto, Grafik – „spricht“ ein Werk auch ohne viel Gerede: Es begeistert, berührt, verstört, verwirrt, regt an, rüttelt auf, zieht runter oder beflügelt Dich... Auch Piktogramme vermitteln klare, einfache Botschaften, z.B. wo ist das WC oder der Notausgang, fast so wie Höhlenmalerei. Doch dafür dürfte unsere Welt ein bisschen zu komplex geworden sein oder?

Foto: Ute Latzke

Foto: Ute Latzke

Ein Bild hat zunächst einmal Sogkraft. Und falls es schön ist oder wenigstens originell, verschenkt man schnell sein Herzchen. Mache ich auch und bekomme ich eins für mein Post – um so besser. Wachsen dann noch meine Followerzahlen: yeah! Doch eines nervt gewaltig: Wenn man voller Neugier auf “mehr“ klickt und es fehlt im Wortsinne die Botschaft bzw. eine nette Info, worum es eigentlich geht. Motto: schön hier, aber where’s the beef?

Texte geben Sinn
Erst mit Texten vermitteln wir relevante Informationen, machen Aussagen von Bedeutung, geben Dingen einen Sinn – und verbinden letztendlich Menschen. Das nennt man Kommunikation :-). Und das funktioniert sehr gut auch auf einem Sozialkanal wie Instagram. Vorausgesetzt, es sind sinnstiftende Bildunterschriften vorhanden.

Erklären, was Sache ist!
Interessant, mehr noch ärgerlich ist außerdem, dass manche immer noch meinen, Fotos von Kuchen, dampfenden Kaffeetassen oder lustigen Ringelpietz um die Tischtennisplatte seien der absolute Burner: “Total tolle Start-up-Atmosphäre hier, yeah!” Auch verwackelte, düstere und verpixelte Bilder von irgendwelchen ominösen Projekten werden gerne mal auf Instagram geteilt. Genau das (-> nämlich diese Projekte) interessieren mich und viele andere Follower! Nur dann sollten solche Posts auch mit relevanten Infos ergänzt werden, die erklären, was Sache ist!

Bild und Text nutzwertig verbinden
Wäre es nicht schöner und sinnvoller für uns alle, Bild und Wort nutz- und netzwertig miteinander zu verbinden (= Added Value, Contentmarketing) ??? Aber bitte mit attraktiven Posts, die ein Projekt, Webdesign oder die neuesten Layoutentwürfe präsentieren. Ergänzt mit einem knackigen Text, der die Herausforderung beschreibt und den Weg bis zur Lösung! DAS begeistert mich an einer kreativen Firma, DAS will ich sehen, DARÜBER will ich lesen – und nicht banale Fotos von der gemeinsamen Pizzarunde! Zumal: Stimmt die Unternehmenskultur im Betrieb, findet die sowieso regelmäßig statt, muss man das extra posten? Der Informationswert solcher Posts tendiert gegen Null. Hingegen: Dass sich die Mitarbeiter z.B. regelmäßig weiterbilden dürfen, wäre durchaus ein Post von der Veranstaltung wert (von wegen Employer Branding, Arbeitgebermarke und so…).

Die üblichen Verdächtigen…
Anstatt sich mit einem gepflegten Feed und aussagekräftigem Content auf Instagram zu präsentieren, wird die Chance zugunsten aktionistischer “Posterei” verschenkt. Auffällig ist, dass verstärkt Firmen der Kreativbranche diese Unsitte hegen wie ein Tamagotchi. Tja… und so manches dieser Unternehmen erzählt anderen – nämlich ihren Follower und/oder potenziellen Kunden – gerne und beständig: wie man erfolgreich kommuniziert im Web und in den neuen Medien und was man tun und lassen sollte und überhaupt…

Ich mein ja nur!

Schön Schreiben

Fünf einfache Hacks für gute Texte

Mit diesen Tipps werden Ihre Texte besser lesbar, kreativer und klarer verständlich. Ihre Zielgruppe wird es Ihnen danken. Manches klappt sofort, anderes erfordert Übung und vor allem Ausdauer.

1. Kill: kann, können, könnte
Folgende Sätze sind Ihnen sicher geläufig: Das können Kunden von uns erwarten. Sie können sich auf unseren Service verlassen. So können Sie bei uns Karriere machen. Wir würden uns freuen, Sie bei uns begrüßen zu können (zu dürfen). Machen Sie Schluss damit, sofort!

Das Modalverb “Können” nimmt den Aussagen jede Kraft und Präzision. Kombiniert mit “würde”, “hätte” oder “dürfen” wird’s noch schlimmer. Was offenbar als Höflichkeit gemeint ist, ist schlicht schlechter Stil. Es wirkt umständlich, lieblos und verzagt. Das hat kein Leser verdient!

Nutzen Sie starke Verben, treffen Sie klare Aussagen und beziehen Sie Position, etwa so: Vertrauen Sie auf unsere jahrelange Erfahrung. Von unserem Service profitieren Sie, weil… Unser Team stärkt Ihnen den Rücken. Wir machen aus Kunden Sieger.

2. Sei kein Depp Du!
Der Deppenbindestrich ist die Geißel eines jeden Textes: Computer-Experte, Design-Entwurf, Fitness-Trainer, Einrichtungs-Ideen, die Kuppe sind Flug-Blatt oder Grill-Kohle. Die Leser ärgert das! Zumal ihnen die korrekte Schreibweise durchaus zumutbar ist: Meerenge, Bildschirmschoner, Bundestagswahlen, Einrichtungshaus oder Contentstrategie. Manchmal macht ein bewusst gesetzter Bindestrich Sinn, um etwas zu betonen: Ich-Sucht. Und auch bei komplexen – wirklich komplexen! – Begriffen ist ein Bindestrich hilfreich, so wie Sauerstoffflaschen-Muffenverbindung. In den meisten Fällen aber ist der Deppenbindestrich sinnlos, beinträchtigt den Lesefluss und zersägt jede gut gesetzte Typografie!.

Das gilt übrigens auch für das Deppenapostroph und -leerzeichen: Anne's Bäckerei, Renten Versicherung, Auto Reifen, Fahr Schule oder Anana's im Angebot. Einfach nicht totzukriegen und vor allem ziemlich witz-los!

3. Doubletten sind tabu
Ist in einem Text z.B. über ein Unternehmen von Produktqualität die Rede, bietet sich an, im weiteren Textverlauf Qualitätsarbeit durch Wertarbeit ersetzen. Wenn im Artikel mehrfach über die Produktion informiert wird, bringen Sie Begriffe wie Herstellung und Fertigung ins Spiel. Wenn Ihnen gar keine Alternativen einfallen, ist es durchaus legitim, in den Thesaurus zu schauen ;-).

4. Headline über alles!
Eine Headline soll den Leser in den Text ziehen, Teaser und Sublines machen neugierig auf die folgenden Absätze. Ob Longcopy, Broschüre, längerer Fachartikel. Mein Credo: Headline first, und das auch wenn noch nicht alle Inhalte minutiös ausgearbeitet sind. Was zunächst widersinnig erscheint, hat sich für mich in der Praxis bewährt: Durch die Recherche und das Kundenbriefing ist man drin im Thema, die „Mission“ eines Unternehmen oder einer Publikation zeichnet sich bereits ab. Die Headline ist die Essenz. Habe ich die gefunden, ist auch die Richtung vorgegeben und das Texten fällt insgesamt leichter.

5. Streichen, lesen, noch mehr streichen
Emotional, informativ und knackig auf den Punkt zu schreiben, macht viel Arbeit. Wenn Ihnen die kreativen Sprachbilder partout nicht einfallen wollen, hängen Sie tiefer und halten Sie ihre Texte klar und einfach. Allerdings erfordert gerade ein kurzer prägnanter Text wesentlich mehr Gehirnschmalz als ausuferndes Geschwafel. Doch weniger ist definitv mehr. Lesen Sie jede Ihrer Version erneut, am besten mit zeitlichem Abstand. Und wieder Wortballast streichen, erneut lesen und überarbeiten. Wenn Sie über keine ungereimte Stelle im Text stolpern, haben Sie viel gewonnen.

Diese Tipps machen aus Ihnen keine Edelfeder. Das erfordert Erfahrung und viel Praxis. Doch kleine Schritte zählen: Wenn Sie Punkt 1 und 2 sofort ausprobieren, werden Sie verblüfft sein, wieviel klarer und besser lesbar ihre Texte sind.