Auf Instagram entfolgen

Konzentration aufs Wesentliche ist befreiend

Als Texter treibt mich an so klar und schlank wie möglich zu formulieren. Letztendlich steht das allen Texten und Kunden besser. Doch darum geht es hier nicht, vielmehr um einen “Instagram-Frühlingsputz”: Endlich habe ich meine IG-Abos entrümpelt! Interessanter Weise waren darunter viele Bussinessaccounts, zumal aus der Kreativbranche, denen ich nicht mehr folge. Warum, ist ziemlich einleuchtend, wenn man länger auf Instagram unterwegs ist und weiter Freude an dem Socialkanal haben möchte.

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Grundsätzlich finde ich es inspirierend, Anregungen von vielen IG-Abos zu erhalten. Zumal ich auch nicht zu den Influencern oder Unternehmen mit 10 K oder 100 K Followern gehöre, die selbst nur 90 Intstagramaccounts folgen. Ist ja auch so cool ;-). Klar, auf wenige Abos lässt sich leichter fokussieren und gezielter interagieren, stimmt schon. Dennoch frage ich mich, woher der/diejenige seine/ihre Anregungen erhält. Ab und an ist man ja auch nur aus Spaß auf IG unterwegs, interessiert sich für Kunst, Mode, Fitness, Lifestyle oder Interior, whatever. Da kann mir keiner erzählen, dass bei nur 90-100 Abos konstant guter und inspirierender Content im Feed auftaucht. Zumal manche Nutzer auch nicht täglich posten. Ein Klick auf “Entdecken“ ist auch weniger ertragreich als gedacht: Der Algorithmus schlägt fast ausschließlich Posts oder Profile vor, die denen entsprechen, denen man ohnehin folgt. Selber erlebt, willkommen in der Filterblase! Doch jeder wie er mag. Nun aber zurück zum Entrümpeln…

Frühjahrsputz schafft Freiraum und Klarheit
Angeregt zum Frühjahrsputz wurde ich durch Trajan Tosev, ein fähiger Instagramstratege für Selbstständige, der sein Portfolio unlängst mit dem Podcast “Echt abgefahren” ergänzt hat. Tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass bei vielen IG-Accounts, die ich abonniert hatte, mehr Masse als Klasse vorherrscht. Oder mich die Themen einfach nicht mehr angesprochen haben. Jedenfalls wurde es mir zu viel. Also sagte ich rund 100 Accounts Goodbye. Das tat ich keinesfalls leichtfertig, im Gegenteil: Habe jedes der gut 360 Profile und deren Feeds nochmal gecheckt, bevor ich entfolgt bin! Das war aufwendig und zeitraubend. Aber jetzt ist mein Abofeed klar überschaubar und ich bin wieder offen für Neues!

Kreativ bedeutet nicht zwangsläufig gut
Nicht mehr folge ich z.B. vielen Agenturen. Es hat mich überrascht, eher noch geärgert, wie lahm (inhaltlich und optisch) die Feeds dieser “Kreativen” sind. Obwohl viele der Branchenvertreter zig Designpreise gewonnen haben. Doch auf Insta-Feeds sieht man nix davon! Die vorherrschenden Motive bleiben sinnfreie, zumal unattraktive Fotos von Kaffeetassen (“Guten Morgen!”) oder Kicker- und Pizzarunden im Office. Und wenn dann mal interessante Projekte gepostet werden, fehlt die Erklärung, worum es geht und was es soll... Herrje! Auch die Binsenweisheiten vieler “Social Media-Experten” mit ihren uninspirierenden Feeds nervten mich irgendwann nur noch, also: Kill Abo.

Offenbar hat sich noch immer nicht (sic! 2019) herumgesprochen, dass in IG mehr Potenzial liegt. Naja, es macht ja auch Arbeit, wenn’s gut werden soll, was wohl der springende Punkt ist. Stichwort: „Mehrwert geben“ mit gutem Content: attraktive! Fotos, Videos und Grafiken sowie Texte mit nützlichen Informationen oder Stories, whatever... Zumindest erwarte ich das von einem Businessaccount. Es gibt viele private Nutzer auf IG, die das wesentlich besser drauf haben. Und es ist mir eine Freude, diesen Accounts weiter zu folgen.

Textertipp

Viere kleine Hacks für klare Ansagen in Texten

Foto und Grafik: Ute Latzke

1. Ihr Unternehmen, Ihre Produkte oder Services sind wertvoll, ohne Zweifel. Doch anstatt dies permanent zu betonen, bringen Sie in Ihren Texten die relevanten Informationen auf den Punkt. Für den Leser oder Kunden geht es um den sofort erkennbaren Mehrwert.

2. Schreiben Sie Klartext, nicht so: „Im Falle eines Mangels, würden wir Ihnen den Betrag selbstverständlich erstatten.“ Schöner und anschaulicher liest sich: „Wenn Sie einen Fehler am Produkt finden, bekommen Sie Ihr Geld zurück.“ .

3. Ein weit verbreiteter Rat ist, zuerst den gesamten Text zu schreiben und danach die Headline oder den Claim. Das ist zwar gängig – ob beim Verfassen von werblichen Texten oder Artikeln mit journalistischem Hintergrund. Nach einer gewissen Übung erweist sich mein Motto: „Headline First“ aber als kreative und strukturierende Art. Somit geben Sie von Anbeginn Mission und Richtung Ihres Textes vor. Daran orientiert, lässt sich die Story entwickeln und mit allen wichtigen Informationen ausbauen. Wirkt auf den ersten Eindruck schwieriger, Motto: Was soll ich denn für eine Headline schreiben, habe noch gar keinen Text…? Meist ist es aber so, dass sich aus der Recherche, dem Briefing und den Gesprächen mit Kunden schnell erste tragfähige Ideen für Ihren Claim oder die Überschrift abzeichnen. Danach fällt das Texten leichter, das weiß ich aus Erfahrung :-).

4. Anscheinend oder scheinbar? Das ist ein großer Unterschied. Die richtige Verwendung der beiden Adjektive ist aber gar nicht so tricky, wie es „scheint“ 😜. „Anscheinend" drückt aus, dass etwas wahrscheinlich so ist wie vermutet, z. B.: Das Kind gähnt, es ist anscheinend (offensichtlich) müde. Bei „scheinbar“ handelt es ich nur um den vordergründigen (falschen) Eindruck, z. B: Scheinbar interessierte sie sich sehr für das Buch, in Wahrheit wollte sie bloß nicht mit ihrem Mann reden. So muss „Scheinbar hat es keiner gewusst“ richtig heißen: „Anscheinend hat es keiner gewusst". Der erste Satz bedeutet nämlich, dass die Leute nur so getan haben, als hätten sie nichts gewusst.