Texteralltag

Was tut der Texter fürs Geld?

Texten ist easy und Artikel sind schnell geschrieben, denken Sie und machen’s gerne selber. Die Ergebnisse sind oft bescheiden und das fällt auf Sie zurück! Warum? Weil potenzielle Kunden anhand der Texte Rückschlüsse auf die Qualität Ihrer Produkte und Dienstleistungen ziehen. So einfach ist das und das ist fatal.

Klare, emotionale Texte zu erstellen, die auf den Punkt kommen, erfordert Zeit und ist eben nicht “einfach”. Gerne bringe ich Licht ins Dunkel unrealistischer Vorstellungen und beschreibe Aufwand und Arbeitsschritte.

Zunächst erfolgt das Briefing, entweder schriftlich, telefonisch und auf Wunsch auch vor Ort beim Auftraggeber. Danach arbeite ich mich gründlich ins Thema ein, recherchiere rund um Branche und Wettbewerber. Wenn erforderlich, überlege ich ein Fragenkonzept, trete in Kontakt mit Ansprechpartnern sowie Experten und führe Interviews – telefonisch, gelegentlich vor Ort. Mancher gibt mir die Antworten lieber schriftlich, die natürlich erst redigiert werden müssen.

Grafik/Foto: Ute Latzke

Grafik/Foto: Ute Latzke

Erst jetzt mit den Informationen aus Recherche und Interviews beginne ich den eigentlichen Text oder Artikel. Bei längeren Formaten mit rund 7000-8000 Zeichen und komplexen Themen braucht das Schreiben seine Zeit.

Kurze Texte dauern noch länger! Was paradox klingt, wird jeder Texter bestätigen: Eine Fülle von Informationen muss verdichtet werden, so etwa bei Websites, Imagebroschüren, Kundenmagazinen und Abstracts von Architekturartikeln. Oder es sind Claims und Teaser gefragt: Dafür wird das Wesentliche klar und emotional auf den Punkt formuliert, denn oftmals soll exakt auf Zeile geschrieben werden. Das ist die Kunst, denn schwafeln tun schon andere.

Koordination und Projektmanagement. Ist ein Beitrag aus meiner Sicht rund, erhalten die beteiligten Personen bzw. Interviewpartner den Artikel zur Freigabe. Etwaige Korrekturen oder Änderungswünsche übertrage ich im Anschluss in eine gemeinsame Version des Textes. Manchmal gibt es mehrfache Abstimmungsphasen, da alle Abteilungen einbezogen werden wollen. Hier heißt es am Ball bleiben, Koordinieren, Nachfassen und sanften “Druck” ausüben per E-Mail oder telefonisch, damit ich die Deadline beim Auftraggeber einhalten kann. Das ist alles im Honorar enthalten, diesen Aufwand bekommt aber keiner mit.

Beim Corporate Publishing oder werblicheren Texten liegt der Fokus nicht so stark auf journalistischen Vorgehensweisen? So ist zumindest die Annahme. Aber auch hier setze ich mich mit Kunden, Produkten und Zielgruppe auseinander. Je nach Projekt geht die Recherche viel tiefer, weil z.B. Statistiken, Forschungsergebnisse und Expertisen gefordert sind – gerade um die Glaubwürdigkeit des Unternehmens bei den Share- und Stakeholdern zu erhöhen. Oder es gilt herauszuarbeiten, worin die Stärken und Besonderheiten des Unternehmens liegen und was Kultur und Denkart ausmachen. Schließlich sollen meine Texte neue Impulse setzen und zum Auftraggeber und seinem Unternehmen passen. Für bestimmte Themen – etwa IT, Internet und Business Intelligence – recherchiere ich bei englischsprachigen Medien, Quellen und Interviewpartnern.

SEO und Kundentermine. Die meisten Kunden kennen sich mit SEO-Optimierung ihrer Website oder entscheidenden Onpage-Kriterien wie Title Tag oder Meta-Description nicht aus. Auch hier helfe ich gerne weiter. Ja… und oft möchte der Kunde gerne individuell beraten werden, sprich: mich persönlich vor Ort kennenlernen. Mache ich natürlich auch, kostet aber ebenfalls Zeit und “honoriert” wird ein Kundentermin eher selten, gehört dazu…

Fazit: Alle meine Kunden erhalten individuelle, maßgeschneiderte Texte und keine Stereotype bzw. Massenware von der Stange. Das gilt für jedes Projekt und jeden Auftraggeber – ob Unternehmen, Architekt, Immobilienentwickler, Agenturen, Verlage oder kleine Selbstständige und Freelancer. Dieses große Engagement kostet meine Zeit und Ihr Geld. Bei mir ist es gut investiert, verlassen Sie sich darauf! Verschaffen Sie sich gerne einen Überblick auf der Homepage oder über die Navigation/Text.

Tierischer Headhunter

Tierischer Mitarbeiter im Bereich Personalwesen bewahrt Texter vor Fehlgriff...?! Denkt Ihr jetzt, was soll das? Gut. Als „Solopreneur“ habe ich keine HR-Abteilung, zumal akut kein Bedarf an Mitarbeitern besteht. Dennoch ist das gute Gespür für Menschen von Agenturhund Cody nützlich.

Podenco Cody mit Gespür für Menschen, Bild: Ute Latzke

Podenco Cody mit Gespür für Menschen, Bild: Ute Latzke

Bei Terminen reagiert der Kanide auf ähm... merkwürdige Zeitgenossen (= komplizierte Kunden). Cody ist ein lieber Kerl und er kommt mit allen klar. Wenn er – in seltenen Fällen – nicht warm wird mit jemandem oder vielleicht etwas unruhig, ist Aufmerksamkeit geboten. So unlängst geschehen bei einem Kunden, für den ich Texte erstellen sollte (Immobilienexposé).

Mein ungutes „Gefühl“ und Codys Reaktion auf die Person beim Termin bestätigte sich dann in Folge, die Zusammenarbeit verlief holperig: Der Kunde zeigte sich im Projektverlauf unzuverlässig, launisch und machte alle Beteiligten für seine Fehler verantwortlich. Dass das Ergebnis trotzdem sehr schön geworden ist (und bei den potenziellen Investoren sehr gut ankam), interessierte ihn noch nicht einmal. Immerhin: Das Honorar war korrekt und kam pünktlich. Muss ich aber nicht mehr haben! Vielleicht ist es eine gute Strategie für Personaler, bei Vorstellungsrunden einen Hund dabei zu haben, hihi? Und natürlich auch für Selbstständige. Durch die sichere Nase für „Psychopathen“ dürften viele Fehlgriffe vermieden werden.

Moderner Museumsbau

Tchoban Foundation: Kühner Entwurf mit markanter Fassade

Menschen, die wenig Zugang zu zeitgemäßer Architektur und Betonbauweise haben, empfinden diese oft als kalt oder trist, Tenor: Ist das Gebäude schon fertig und soll das etwa so bleiben...? Dass es auch anders geht, als puristisch weiß oder betongrau, zeigt eindrucksvoll das Museum für Architekturzeichnung in Berlin. Das 2013 fertiggestellte Projekt stammt vom Moskauer Architekturbüro SPEECH Tchoban & Kuznetsov.

Das auffällige Gebäude begeistert mit seiner kühnen Konstruktion als versetztes Staffelgeschoss und einer Fassade aus eingefärbtem Sichtbeton. Ein markantes Relief auf der gesamten Oberfläche gibt dem massiven Gebäude Charakter, eine warme Ausstrahlung und vermittelt Leichtigkeit: Die stilisierten Architekturzeichnungen wirken, als seien sie mit einem lockeren Federstrich ausgeführt.

Das Museum für Architekturzeichnung liegt auf dem Gelände des Pfefferbergs in Berlin-Prenzlauer Berg. Beton und Glas bilden eine Hülle, deren ungewöhnlich ornamentierte Oberfläche im Kontrast steht zur Klarheit und Schlichtheit des Entwurfs: Die Fassade zieren stark vergrößerte Fragmente architektonischer Skizzen. Damit gibt das Äußere gleich Aufschluss, was den Besucher erwartet. Im Inneren kehren die Gestaltungselemente der Fassade in handgeschnitzten Holzpanelen der Wände wieder.

Das Gebäude beherbergt die Tchoban Stiftung und deren umfangreiche Sammlung von Architekturzeichnungen. 2009 gründete Stifter und Architekt Sergei Tchoban die Foundation, mit dem Ziel, die fantastischen und emotionsgeladenen Welten der Architekturzeichnung in Ausstellungen einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen. Weitere Informationen zur Sammlung und Ausstellungen auf der Website der Tchoban Foundation.

Auf Instagram entfolgen

Konzentration aufs Wesentliche ist befreiend

Als Texter treibt mich an so klar und schlank wie möglich zu formulieren. Letztendlich steht das allen Texten und Kunden besser. Doch darum geht es hier nicht, vielmehr um einen “Instagram-Frühlingsputz”: Endlich habe ich meine IG-Abos entrümpelt! Interessanter Weise waren darunter viele Bussinessaccounts, zumal aus der Kreativbranche, denen ich nicht mehr folge. Warum, ist ziemlich einleuchtend, wenn man länger auf Instagram unterwegs ist und weiter Freude an dem Socialkanal haben möchte.

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Grundsätzlich finde ich es inspirierend, Anregungen von vielen IG-Abos zu erhalten. Zumal ich auch nicht zu den Influencern oder Unternehmen mit 10 K oder 100 K Followern gehöre, die selbst nur 90 Intstagramaccounts folgen. Ist ja auch so cool ;-). Klar, auf wenige Abos lässt sich leichter fokussieren und gezielter interagieren, stimmt schon. Dennoch frage ich mich, woher der/diejenige seine/ihre Anregungen erhält. Ab und an ist man ja auch nur aus Spaß auf IG unterwegs, interessiert sich für Kunst, Mode, Fitness, Lifestyle oder Interior, whatever. Da kann mir keiner erzählen, dass bei nur 90-100 Abos konstant guter und inspirierender Content im Feed auftaucht. Zumal manche Nutzer auch nicht täglich posten. Ein Klick auf “Entdecken“ ist auch weniger ertragreich als gedacht: Der Algorithmus schlägt fast ausschließlich Posts oder Profile vor, die denen entsprechen, denen man ohnehin folgt. Selber erlebt, willkommen in der Filterblase! Doch jeder wie er mag. Nun aber zurück zum Entrümpeln…

Frühjahrsputz schafft Freiraum und Klarheit
Angeregt zum Frühjahrsputz wurde ich durch Trajan Tosev, ein fähiger Instagramstratege für Selbstständige, der sein Portfolio unlängst mit dem Podcast “Echt abgefahren” ergänzt hat. Tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass bei vielen IG-Accounts, die ich abonniert hatte, mehr Masse als Klasse vorherrscht. Oder mich die Themen einfach nicht mehr angesprochen haben. Jedenfalls wurde es mir zu viel. Also sagte ich rund 100 Accounts Goodbye. Das tat ich keinesfalls leichtfertig, im Gegenteil: Habe jedes der gut 360 Profile und deren Feeds nochmal gecheckt, bevor ich entfolgt bin! Das war aufwendig und zeitraubend. Aber jetzt ist mein Abofeed klar überschaubar und ich bin wieder offen für Neues!

Kreativ bedeutet nicht zwangsläufig gut
Nicht mehr folge ich z.B. vielen Agenturen. Es hat mich überrascht, eher noch geärgert, wie lahm (inhaltlich und optisch) die Feeds dieser “Kreativen” sind. Obwohl viele der Branchenvertreter zig Designpreise gewonnen haben. Doch auf Insta-Feeds sieht man nix davon! Die vorherrschenden Motive bleiben sinnfreie, zumal unattraktive Fotos von Kaffeetassen (“Guten Morgen!”) oder Kicker- und Pizzarunden im Office. Und wenn dann mal interessante Projekte gepostet werden, fehlt die Erklärung, worum es geht und was es soll... Herrje! Auch die Binsenweisheiten vieler “Social Media-Experten” mit ihren uninspirierenden Feeds nervten mich irgendwann nur noch, also: Kill Abo.

Offenbar hat sich noch immer nicht (sic! 2019) herumgesprochen, dass in IG mehr Potenzial liegt. Naja, es macht ja auch Arbeit, wenn’s gut werden soll, was wohl der springende Punkt ist. Stichwort: „Mehrwert geben“ mit gutem Content: attraktive! Fotos, Videos und Grafiken sowie Texte mit nützlichen Informationen oder Stories, whatever... Zumindest erwarte ich das von einem Businessaccount. Es gibt viele private Nutzer auf IG, die das wesentlich besser drauf haben. Und es ist mir eine Freude, diesen Accounts weiter zu folgen.

Netzwert vs nutzlos

Bilder ziehen an. Texte verbinden.

Bilder sagen mehr als tausend Worte? Sicher: Geht es um Kunst – ob Gemälde, Foto, Grafik – „spricht“ ein Werk auch ohne viel Gerede: Es begeistert, berührt, verstört, verwirrt, regt an, rüttelt auf, zieht runter oder beflügelt Dich... Auch Piktogramme vermitteln klare, einfache Botschaften, z.B. wo ist das WC oder der Notausgang, fast so wie Höhlenmalerei. Doch dafür dürfte unsere Welt ein bisschen zu komplex geworden sein oder?

Foto: Ute Latzke

Foto: Ute Latzke

Ein Bild hat zunächst einmal Sogkraft. Und falls es schön ist oder wenigstens originell, verschenkt man schnell sein Herzchen. Mache ich auch und bekomme ich eins für mein Post – um so besser. Wachsen dann noch meine Followerzahlen: yeah! Doch eines nervt gewaltig: Wenn man voller Neugier auf “mehr“ klickt und es fehlt im Wortsinne die Botschaft bzw. eine nette Info, worum es eigentlich geht. Motto: schön hier, aber where’s the beef?

Texte geben Sinn
Erst mit Texten vermitteln wir relevante Informationen, machen Aussagen von Bedeutung, geben Dingen einen Sinn – und verbinden letztendlich Menschen. Das nennt man Kommunikation :-). Und das funktioniert sehr gut auch auf einem Sozialkanal wie Instagram. Vorausgesetzt, es sind sinnstiftende Bildunterschriften vorhanden.

Erklären, was Sache ist!
Interessant, mehr noch ärgerlich ist außerdem, dass manche immer noch meinen, Fotos von Kuchen, dampfenden Kaffeetassen oder lustigen Ringelpietz um die Tischtennisplatte seien der absolute Burner: “Total tolle Start-up-Atmosphäre hier, yeah!” Auch verwackelte, düstere und verpixelte Bilder von irgendwelchen ominösen Projekten werden gerne mal auf Instagram geteilt. Genau das (-> nämlich diese Projekte) interessieren mich und viele andere Follower! Nur dann sollten solche Posts auch mit relevanten Infos ergänzt werden, die erklären, was Sache ist!

Bild und Text nutzwertig verbinden
Wäre es nicht schöner und sinnvoller für uns alle, Bild und Wort nutz- und netzwertig miteinander zu verbinden (= Added Value, Contentmarketing) ??? Aber bitte mit attraktiven Posts, die ein Projekt, Webdesign oder die neuesten Layoutentwürfe präsentieren. Ergänzt mit einem knackigen Text, der die Herausforderung beschreibt und den Weg bis zur Lösung! DAS begeistert mich an einer kreativen Firma, DAS will ich sehen, DARÜBER will ich lesen – und nicht banale Fotos von der gemeinsamen Pizzarunde! Zumal: Stimmt die Unternehmenskultur im Betrieb, findet die sowieso regelmäßig statt, muss man das extra posten? Der Informationswert solcher Posts tendiert gegen Null. Hingegen: Dass sich die Mitarbeiter z.B. regelmäßig weiterbilden dürfen, wäre durchaus ein Post von der Veranstaltung wert (von wegen Employer Branding, Arbeitgebermarke und so…).

Die üblichen Verdächtigen…
Anstatt sich mit einem gepflegten Feed und aussagekräftigem Content auf Instagram zu präsentieren, wird die Chance zugunsten aktionistischer “Posterei” verschenkt. Auffällig ist, dass verstärkt Firmen der Kreativbranche diese Unsitte hegen wie ein Tamagotchi. Tja… und so manches dieser Unternehmen erzählt anderen – nämlich ihren Follower und/oder potenziellen Kunden – gerne und beständig: wie man erfolgreich kommuniziert im Web und in den neuen Medien und was man tun und lassen sollte und überhaupt…

Ich mein ja nur!

Herzblut

Warum Auch Brot- und Butterjobs Spaß machen

Foto: Ute Latzke

Foto: Ute Latzke

Heart's Blood. Ihr dürft Eurer ganzes Herzblut in Eure Arbeit und Projekte stecken? Wie toll! Oft suchen wir nach der absoluten Erfüllung bei einem Job: Das ultimative Projekt, bei dem wir unser Knowhow einbringen dürfen, unsere Kreativität gefragt ist und wir mit Passion bei der Sache sind. Doch oft sieht die Realität anders aus…

Brot- und Butterjobs sind die Regel unter den Projekten und nicht das Sahnehäubchen. Soweit so ungut! Doch stimmt das wirklich? Liegt es nicht manchmal auch an der eigenen Erwartungshaltung und/oder der inneren Einstellung, die man gegenüber einem Auftrag oder Kunden hat?

Häufig bin ich überrascht, dass ein „vermeintlich“ langweiliges Text- und Redaktionsprojekt viel abwechslungsreicher und herausfordernder war als gedacht. Oder dass ich bei einem kleineren Unternehmen, das zunächst nicht so spannend wirkte, viel mehr Freiräume hatte. Auch waren die Abstimmungswege kürzer und meine Arbeit als Texter wurde wertgeschätzt, anders als bei so manchem Konzern mit einer „Superstory“ und tollem Renommee.

Moderne Architektur

Ein Haus ohne Dach? Ist wie ein Stuhl ohne Lehne!

Bei einem Ausflug neulich zum Phoenix See entfachte die umgebende “neue” Architektur recht verhaltene Begeisterung. Klar, das künstlich aus dem Boden gestampfte Städtebauprojekt in Dortmund Hörde bietet Zündstoff. Und vor einigen Jahren gab es viele erhitzte Gemüter, von wegen Gentrifizierung und explodierende Immobilien. Das war bei der Exkursion ins Ruhrgebiet aber nicht das Reizthema, sondern die moderne Architektur an sich, präziser: die nicht vorhandene Dächer auf den zahlreichen Neubauten, die sich um den See gruppieren. Natürlich sind sämtliche Häuser dort “bedacht”, vermisst wurden explizit die Giebel- bzw. Satteldächer.

Moderne Wohnhäuser am Phoenix See in Dortmund, Foto: Ute Latzke

Villa am Ufer des Phoenix Sees, Foto: U. Latzke

Ob minimalistische Mehrfamilien-häuser oder elegante Villa am Hang – die Ausflügler waren sich einig: “Ein Haus ohne Dach ist doch kein Haus. Das ist ja wie ein Hut ohne Krempe, geht ja gar nicht. Moderne Architektur…

… das sind doch keine Häuser, sondern Kaninchenställe. Was haben die früher toll gebaut. Das war noch echtes Handwerk und 1A-Qualität...“ Dieser Standpunkt ist ja legitim, es geht ja um Geschmack. Oder ist das nicht doch alles nur gelernte, verinnerlichte und tradierte Meinung? Jedenfalls ist diese Haltung ein wenig schade. So reicht ein Flachdach, respektive ein nicht vorhandenes Dach offenbar aus, den “Rest” eines Neubaus komplett außen vor zu lassen. Es wird überhaupt nicht mehr geschaut, ob der Gesamtentwurf ggf. doch ansprechend, ästhetisch gelungen und in sich stimmig ist. Klar gibt es miese Architektur im Wohnungsbau und lieblos hochgezogene Eigenheime von der Stange, nicht gerade wenige davon übrigens mit Giebel- oder Satteldach… Und auch darf die Frage gestellt werden, ob denn die Mietshäuser (-kasernen?) aus den 50er und 60er Jahren gleich architektonische Highlights sind, weil sie ausweislich ein Dach über dem Kopf haben… ;-)?

Auch der bauliche Kontext entscheidet
Zumal: Es kommt auch immer auf den baulichen Kontext an. In einem denkmalgeschützten Stadteil wie etwa im Briller Viertel in Wuppertal stehen fantastische Bauwerke aus der Gründerzeit. Mit rund 250 denkmalgeschützten Gebäuden ist der Bezirk in Elberfeld das größte zusammenhängende Villenviertel Deutschlands. Natürlich haben alle traditionelle Dächer in vielfältigen Formen. Wunderbar, so wurde früher eben gebaut und das passt! Noch schöner, wenn dann Alt und Neu nebeneinander (be)stehen darf, indem die neue Architektur die Tradition aufgreift und im Jetzt verortet.

Zeitlos schön: Gründerzeitvilla im Briller Viertel, Foto: U. Latzke

Neubau im Briller viertel - Yeah mit Dach! Foto: U. Latzke

Es gibt eben auch gelungene Neuinterpretationen vom Häusle mit Dach, wie oben rechts und z.B. auch das Wohn- und Geschäftshaus k5 von Hochstrasser Architekten aus Ulm. Darüber habe ich übrigens einen Artikel in der db Deutsche Bauzeitung geschrieben. Hier galt es, einen zeitgemäßen Entwurf behutsam in die Bestandsbebauung der historischen Altstadt von Ulm in unmittelbarer Nähe zum Münster zu integrieren, was gut gelungen ist.

Unterkühlte Reaktionen – wie bitter
Es ist eine Tatsache, dass “leidgeprüfte” Architekten und Immobilienentwickler ein Lied davon singen können ob der teils verstörenden, zumindest aber unterkühlten Reaktion auf ein fertiggestelltes Projekt. Wenn ihre minimalistischen Entwürfe und städtebaulichen Konzepte nur Kopfschütteln oder Ablehnung auf breiter Front hervorrufen. Und das, obwohl sie einen Preis bei einem Wettbewerb für Wohnungsbau gewonnen haben. Das ist bitter. Denn auch ich mag sie, diese elegant reduzierte Architektur, auch wenn mich nicht jeder dahingeworfene Kasten überzeugt. Auch die Bauherrenschaft und die Investoren sind begeistert sowie die späteren Nutzer. Logisch, sonst würden sie nicht einziehen.

Architekturempfinden basiert auf tradierten Sichtweisen
Die Menschen im Viertel und in direkter Nähe zum Objekt sehen das wohl anders. Warum ist das so? (Die Debatte um Gentrifizierung und Preisexplosion lassen wir jetzt mal außen vor, das ist eine andere Baustelle, wenn auch wichtige…) Ganz einfach: Viele, die sich mit sog. moderner Architektur “konfrontiert sehen” – genauso empfinden sie das –, tun sich eben schwer damit. Ihr ästhetisches Urteil ist zumeist geprägt von ihrem Umfeld und der Umgebung, in der sie aufgewachsen sind: Die Tapete im einstigen Kinderzimmer, die alten Möbel, Omas Stube und der verwinkelte düstere Dachboden, der so viel Geheimnisse bereit hielt... Das sind lieb gewonnene Traditionen und gelernte Sichtweisen. Das ist ja auch okay. Jedem geht es mehr oder wenig so. Schöne Erinnerungen halt. Was ist zu tun?

Kindertagesstätte in Wuppertal, Ein Entwurf, der Polarisiert, Foto: Ute Latzke

Briller Viertel Wuppertal, Foto: U. Latzke

Umfeld und Presse rechtzeitig informieren und einbeziehen
Aus diesen Gründen ist es nicht besonders klug, ein Neubauprojekt jemandem einfach “vor den Latz zu knallen” und aus die Maus. Zielführender und auch fairer wäre es, die Menschen schon vor der Planung und auch während der Bauphase einzubeziehen und auf dem Laufenden zu halten. Gerne in Form von regelmäßigen Baustellenbegehungen mit Häppchen und Bierchen. Scherz! Aber warum eigentlich nicht? Klingt nach Aufwand? Der dürfte sich aber lohnen, weil eine Verbindung herstellt wird, sich die Menschen ernst genommen fühlen und Irritationen von vorneherein deeskaliert werden.

Architektur ist erklärungsbedürftig
Und auch später ist es nicht so, dass der fertige Neubau für sich selbst spricht, Motto: Die Idee und Genialität unseres Entwurfes springt doch sofort jedem ins Auge bitteschön! Bei einigen vielleicht, doch bei den meisten Menschen offenbar nicht, schon vergessen…? Moderne Architektur bzw. Immobilienprojekte sind sehr erklärungsbedürftig, eben weil sie ein Reizthema sind und auch bleiben werden. Und nicht jeder mögliche Interessent ist in der Lage oder hat Lust, sich durch Wettbewerbsbeschreibungen zu ackern oder recht fachspezifische (blutleere) Erläuterungstexte reinzuziehen.

Architektur erschafft Raum, klare Texte sorgen dafür, dass die Intention eines Entwurfs verstanden wird. Sind die Texte lebendig und emotional geschrieben, inspirieren sie den Leser und wecken im Idealfall Interesse und Begeisterung für das jeweilige Bauprojekt.
Ja – sogar für modernen Wohnungsbau ganz „ohne Dach“☺.





Phoenix See

Neue Architektur am künstlichen Gewässer

Der Phoenix See ist ein künstlich angelegtes Gewässer auf dem ehemaligen Stahlwerksareal Phoenix-Ost in Dortmund Hörde. 1998 wurde das Hochofenwerk Phoenix West geschlossen, drei Jahre später die ehemaligen Hermannshütte stillgelegt.

Phoenix see, Stadtteil Hörde in Dortmund, Wohn- und Geschäftshäuser, Foto: © Ute Latzke

 

2006 begannen die Aushubarbeiten, vier Jahre später wurde der See geflutet. Er ist 1,2 Kilometer lang, 320 Meter breit, drei bis vier Meter tief und somit ein beliebtes Ziel für Flaneure, Radfahrer und Skater. Auch Wassersportfans kommen hier auf ihre Kosten. Das Projekt polarisierte von Anfang, schließlich treffen hier im Wortsinne zwei Welten aufeinander: die schicken Bungalows, Mehrfamilienwohnhäuser und Villen in erster Reihe verdrängen die Arbeiterhäuser und den sozialen Wohnungsbau dahinter. Der Phoenis See zählt zu den größten Stadtentwicklungsprojekten Deutschlands und steht für das Ende von160 Jahre Industriegeschichte.

Dortmund mit dem Deutschen Städebaupreis ausgezeichnet
Inzwischen scheinen sich die Wogen ein wenig geglättet zu haben. Der Phoenix See steht heute für den Strukturwandel in Dortmund: Am Seeufer und dem benachbarten Areal Phoenix West haben sich inzwischen rund 160 Unternehmen mit 1700 Beschäftigten angesiedelt, außerdem gibt es viele Café, Bars und Restaurants. Im September 2018 ist Dortmund mit dem “Deutschen Städtebaupreis” ausgezeichnet worden, schreiben die Ruhrnachrichten. Der Zeitung zufolge hat sich Dortmund immerhin gegen 73 Mitbewerber durchgesetzt. Allerdings: Wer hier wohnen möchte, braucht schon ein gutes finanzielles Polster: Der Preis für eine Penthouse-Wohnung am Phoenix See liegt bei rund 3.200 Euro und die Miete bei etwa 17,50 Euro pro Quadratmeter.

Anbei eine Bildergalerie mit einigen Impressionen neuerer Architektur.