Werbung? Wir wollen Geschichten von Helden!

Konsumenten sind Werbung leid, aber sie lieben Geschichten! Das ist seit Jahrtausenden so und funktioniert auch in der digitalen Ära.

Klar: „Storytelling“ ist ein Buzzword, überstrapaziert allein schon durch massives SEO. Doch nicht gleich vorschnell abwinken! Menschen fühlen sich von emotionalen Geschichten magisch angezogen. Die Einblicke hinter die Kulissen eines Unternehmens sind spannend und geben Mitarbeitern ein Gesicht. Das macht glaubwürdig, sympathisch und schafft Vertrauen bei der Zielgruppe. Produkte und Services werden immer austauschbarer. Persönliche Episoden bleiben im Kopf. Warum sich Storytelling plattformübergreifend für jedes Unternehmen lohnt – auch für Architekten – und was der Stoff für eine Heldengeschichte ist, steht in meinem Beitrag.

Ausschnitt aus “Ripley”, Serie: Space Man, 2018, © Ute Latzke textart, verkauft

Ausschnitt aus “Ripley”, Serie: Space Man, 2018, © Ute Latzke textart, verkauft

Marketing und Werbung fressen Zeit- und Kostenbudget und nun sollt Ihr/sollen Sie auch noch Anekdoten erzählen? Ja, denn eine gute Story berührt und hochwertiger Content bietet den Zielgruppen dort Mehrwert, wo Werbebotschaften abperlen. Zumal die Konsumenten digital gut informiert sind und somit kritischer als früher: 90 Prozent verbringen täglich Zeit im Web und sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram, davon primär die 14- bis 29-Jährigen. Und sie vertrauen den Ansagen von Influencern oder Familien und Freunden, aber kaum der Werbung.

Zielgruppe zu jung? Falsch, das sind die Entscheider von morgen. Außerdem sind immer mehr 30- bis 50-Jährige auf sozialen Plattformen unterwegs. Instagram boomt mit rund 15 Millionen Accounts in Deutschland. Viele Unternehmen nutzen die Plattform bereits für den Aufbau einer Community: In einer von Instagram durchgeführten Studie gaben 46 Prozent der deutschen KMU an, dass ihnen die Plattform hilft, erfolgreicher zu werden. (Quelle: Instagram bzw. Internet World).

Heldenstory eines Architekturbüros

Dass Architektur erklärungsbedürftig ist, predige ich Entwerfern und Planern regelmäßig, z.B. in meinen Blogbeitrag „Moderne Architektur polarisiert“. Klare, einfache und emotional geschriebenen Texte sensibilisieren das Umfeld, vermitteln die Idee dahinter und begeistern. So weit, so gut, aber auch zu GLATT. Interessanter ist ein Blick hinter die Kulissen. Wie verlief der Weg zum schlüsselfertigen Projekt? Was waren die Höhen, Tiefen und Herausforderungen auf dem Weg zum Ziel und wer hat sie wie überwunden? Ein Beispiel aus dem Leben (anonymisiert).

Bei einem Neubauprojekt in Ulm inmitten historischer Bausubstanz plante der Architekt ein Wohn- und Geschäfsthaus in Massivbauweise. Der moderne Entwurf war nicht das „Problem“, das Konzept erzielte den 1. Platz beim Wettbewerb. Die Herausforderung lag in dem Baustoff Dämmbeton: Das hierzulande wenig erprobte Material hat so seine Tücken. Der Mix aus Zement, Glasschaumschotter, Wasser etc. ist nach dem Aushärten nicht druckfest wie herkömmliche Beron und auch poröser. Und nun?

Eine Sondergenehmigung musste her, sonst drohte dem Projekt das Aus. Dafür legte das beauftragte Betonlabor hunderte von Mischungen an, bis die passende Rezeptur endlich gefunden war. Auch danach blieb es zäh: Da die Konsistenz des Gemisches sehr flüssig ist, drohte die Entmischung. Außerdem ließ sich der Dämmbeton nur ungleichmäßig in den Schalungen verteilen. Und am Ende härtete die Mixtur so schnell aus, dass die „Rüttler“ in der Wand steckenblieben, die für einen gleichmäßige Verteilung sorgen sollten. Also musste die komplette Wand abgerissen werden.

Nach gefühlt hunderten Versuchen klappte es und das erste Geschoss konnte wie geplant aus „einem Guss“ hochgezogen werden. Von der ersten Entwurfsidee bis zur Fertigstellung dauerte es fünf (!) Jahre. Hier haben alle Beteiligten viele schlaflose Nächte gehabt, über Trial and Error passende Lösungen gesucht, gefunden und alle Hürden gemeistert. Am Ende ist ein modernes und innovatives Bauwerk direkt im Herzen von Ulms City entstanden. Der Weg dahin war steinig – wie immer bei einer Heldenreise. Umso mehr lohnt es sich, davon zu erzählen. Das habe ich übrigens. Schaut doch mal rein in den Artikel „Was leicht ist, fällt schwer“ , erschienen in db deutsche bauzeitung.

BVG macht sich unverkennbar

Die BVG Communication Technologies GmbH ist als IT-Unternehmen am Puls der Digitalität und bereits auf Instagram unterwegs (bvgsystemhaus). Das ist ein guter Schritt. Zusätzlich ergänzt die Firma ihr Corporate Publishing mit dem Printmagazin „Unverkennbar“. Der Fokus liegt auf nutzwertigen Themen rundum Lifestyle, Kultur und Gastronie für die Partner und Kunden an den jeweiligen Standorten. Zusätzlich gibt es individuell recherchierte Geschichten über Mitarbeiter, Firmen- oder Partnerevents und der Leser erhält Einblicke in spannende digitale Entwicklungen. Die Redaktion erhält dabei Unterstützung von einer Agentur (Starktext GmbH) und – das erwähne ich einfach mal – von mir als Autorin: An den Ausgaben Südtirol und Berlin war ich als Texter beteiligt und bin jetzt auch bei der im Frühherbst erscheinenden Ausgabe „Unverkennbar Köln“ dabei. Mit dieser Publikation verbindet BVG Infotainment und Nutzwert und gibt Unternehmen und Mitarbeitern ein Gesicht.

Ein Rohr ist nur ein Rohr?

Ist ein Betrieb, der Stahlrohre produziert, per se langweilig? Keineswegs! Hier geht es doch um „innere Werte“, lebensnotwendige Verbindungen, ohne die gar nichts funktioniert. Daraus lassen sich sehr wohl interessante Geschichten entwickeln: Wie sonst soll z.B. Öl aus 6.000 Meter Tiefe gefördert, Gas oder Trinkwasser über tausende Kilometer transportiert werden, wenn nicht mit hocheffizient, schnell und edel vergütet hergestellten Rohren?

Fitnesscenter, aber keine Story? Quatsch!

Die Fitnessbranchne boomt: 11 Millionen Menschen begeistern sich für das Training und sind in rund 9300 Centern aktiv (2018, Quelle: DSSV), Tendenz weiter steigend. Trotzdem stagnieren die Mitgliederzahlen Deines Studios? Dann verbreite die Geschichten der Mitglieder, anstatt nur mit Gerätepark, kompetenten Trainern oder Eiweißriegeln zu werben. Das alles gehört nämlich zum Standard. Erzähle die Heldenreise eines z.b. eines Members auf dem steinigen Weg, 50 Kilo abzunehmen. Oder wie sich der Coachpotato zum Marathonläufer/in gewandelt hat. Begleite Deine Testimonials durch alle Höhen und Tiefen und dokumentiere es auf Webseite, im Blog, via Instagram, Facebook etc… Rufe zu gemeinsamen Fitness-Challenges heraus, was auch immer. Das zieht, ist authentisch, emotional und glaubwürdig. Die Menschen werden es lieben und fühlen sich inspiriert, ihr Leben zu ändern und fitter zu werden – in Deinem Fitnessstudio.

Tierfreund vom Futterangebot erschlagen

Der Heimtiermarkt boomt. 4,2 Milliarden Euro Umsatz erzielt die Branche 2018 allein mit Tiernahrung (Quelle: ZZF Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands). Deshalb blicken Tierhalter beim Futter nicht mehr durch. Allein für Hunde gibt es hunderte Sorten von Trocken- und Nassfuttern. Auch das Angebot von Ausrüstung, Schlafplätzen und Leinen ist unübersichtlich und somit austauschbar. Was tun? Hunde, Katzen und Haustiere generell sind ein hoch emotionales Thema! Wieder Zeit für eine Heldenreise: Ein Futter- bzw. Accessoirehersteller macht aus seiner Produktseite ein Infoportal für Tierhalter, gibt Tipps und Tricks zur Tierhaltung und erstellt ein Blog mit Episoden aus dem wahren Leben von Hunde- bzw. Tierhaltern. Bei rund 34 Mill. Haustieren in Deutschland – davon etwa 9 Mill. Hunde und 13,7 Mill. Katzen – dürfte es genug spannende Inhalte für Tierliebhaber geben. Zumal Millionen davon auf Instagram sein dürften...

Content bleibt King – auch bei den Großen

Coca Cola und Red Bull sind überall präsent, halten den Kontakt zu ihrer Community aber auch gezielt über Contentmarketing. Der US-Konzern ist zwar bekannt für üppige Werbebudgets, hebt sich aber auch durch gute Inhalte ab: Auf der Webseite der Coca Cola Company und Instagram (TheCocaColaCo) erlebt der Leser mehr als markige Sprüche. Werbung spielt nur eine untergeordnete Rolle. Dass Red Bull Flüüüügel verleiht, ist keine Neuigkeit. Im The Red Bulletin Magazin und Servus-TV sowie Instagram (redbulletin) geht einiges mehr ab, als in dem nervigen TV-Spot. Mit dem Angebot von relevantem Content haben sich beide Unternehmen zu reichweitenstarken und unterhaltsamen Medien entwickelt – und die Markenbindung zur Community zusätzlich gestärkt.

Wie sieht Eure/Ihre Heldenstory aus und wann erzählt Ihr/Sie endlich? Wenn ich dabei helfen soll, meldet Euch einfach per Mail oder Fon.