Ungut

 

Vom Grauen des Deppenbindestrichs...

Über das Deppenapostroph und -leerzeichen amüsiert oder ärgert sich der/die gewogene Leser/in immer wieder und das zu recht: So liest man z.B. von Anne's Bäckerei, Renten Versicherung, Auto Reifen oder Anana's im Angebot. Auch fies anzuschauen ist der Deppenbindestrich. Das ist die ultimative Grausamkeit fürs Auge, leider weit verbreitet in nahezu allen schreibenden Kreisen und vor allem: Witz-Los...

Deppenapostroph: Da wird apostrophiert was das Zeug hält, so liest man: Foto's, Opa's Gebiss, den Tisch an's Bett stellen... etc. und dabei hat das kleine Häkchen in keinem der Beispiele etwas verloren, aber mal so gar nicht's! Der Zwiebelfisch vom "Spiegel" zeigt sehr anschaulich, wo ein Apostroph Sinn macht, wo es gesetzt werden kann und wo es sofort abgeschafft gehört.

Deppenleerzeichen: Weniger ist meistens mehr, stimmt hier aber keinesfalls. Der Mut zur Lücke oder das Leerzeichen ohne Sinn beeinträchtigt nur die Lesbarkeit von Texten: So zierte der Titel "Allgemein Bildung" ein Nachschlagewerk vom Weltbild Verlag. Und mit einem "Spazier Stock" flaniert es ich wohl kaum eleganter als mit dem Spazierstock, liest sich nur schlechter.

Deppenbindestrich: Bei dieser Unart ist es besonders ärgerlich, dass sie beharrlich gehegt und gepflegt wird und dies leider von allen Instanzen der schreibenden Zunft. Was sollen Wortkonstrukte wie Pizza-Teig, Computer-Experte, Rum-Aroma, Fitness-Trainer, Meer-Enge, Einrichtungs-Ideen... und wer braucht diese Schreibweise? Ist ein Pizzateig, die Meerenge oder der Lottoschein nicht mehr zumutbar oder mutmaßlich zu komplex für den Leser? Bezeichnend und ebenso wirr ist die Inkonsequenz der Autoren. So schreibt mancher Fluss-Ufer und gleichzeitig Segelboottrailer, von der Party-Stimmung und dem Holzkohlegrill. Der Duden sieht einen solchen Koppelwortwahn nicht vor, dort heißt es lediglich: Der Bindestrich kann zur Hervorhebung oder Betonung gesetzt werden, also z.B. "Ich-Sucht". Oder um Komplexität zu vermeiden, wie etwa "Sauerstoffflaschen-Muffenverbindung".

Doch sonst...? Sieht es dann so aus wie auf "Stupedia": "Als Deppen-Binde-Strich bezeichnet man die Un-Fähigkeit mancher Zeit-Genossen, zwei Nomen zu einer Wort-Kombi-Nation zu-sammen-zu-fügen. Besser gesagt, das Stil-Mittel, das der Aus-Führ-Ende dabei verwendet. Richtiges Kombi-Nieren zweier eigentlich verfeindeter Wörter ist natürlich auch sehr kompliziert. Daher verwendet der unwissende Schreibende (im Volks-Mund auch "Depp" genannt) einen Binde-Strich zur sinn-stift-enden Zusammen-Führung der Teil-Worte. Das-s dies nicht unbedingt eine ästhetische Angelegenheit ist und so manchen verstorbenen Deutsch-Lehrer im Grabe rotieren lässt, liegt ja offen-kundig auf der Hand." Herr-Lich oder?

 

Kunst verkaufen...

 

Online-Kunstauktion und EntdeckerSchau
– ein Erfahrungsbericht

Als Künstler erfolgreich Kunst zu verkaufen – ob allein oder mithilfe eines Galeristen – bleibt für das Gros der Kreativen weiterhin schwierig. Zumindest, wenn man nicht zu den ganz Großen gehört, und das trifft auf rund 95 Prozent zu. Wir schreiben 2017, und da sollte das Internet den Künstlern eigentlich wohlverdiente Autonomie bringen und den Kontakt zu Interessenten erleichtern oder zumindest der Weg dahin sein. Da ist allerdings weiter Luft nach oben. Doch neben dem üblichen Galeriemechanismus und dessen strikten Konventionen gibt es Alternativen, wenn auch noch rar gesät...

Lucinda van Beethoven is colorblind, Acryl auf Leinwand, © Ute Latzke

Wem es gelingt, von einem Galeristen vertreten zu werden, hat eine Hürde genommen und somit bessere Aussichten, scheinbar. Einfache Rechnung: Der Galerist erhält für seine Bemühungen 50 Prozent vom Preis z.B. eines Gemäldes. Da muss der Künstler mindestens 8 bis 10 Werke pro Jahr verkaufen, damit es sich rechnet, selbst wenn die Preise bereits im fünfstelligen Bereich pro Arbeit liegen: Auch bei einem Preis um 10.000 Euro blieben ihm bei 8-10 verkauften Werken 40.000-50.000 Euro nach Abzug des Galeristenhonorars. Was viel anmutet, zerbröselt schnell, denn die Umsatzsatzsteuer von 7 Prozent, Kosten für Material, Atelier sowie Sozialabgaben (KSK) und natürlich die Einkommensteuer (!) reduzieren das übriggebliene Künstlerhonorar gewaltig. Um diesen "Umsatz" zu erreichen, müsste der Künstler gleich mehrere Einzel- und/oder Gruppenausstellungen pro Jahr haben. Unrealistisch, zumal mit nur einer Galerie, die er sich verpflichtet hat.

Galeristen stellen Alleinvertretungsansprüche
Das Internet böte also die Möglichkeit, dass Künstler und Interessent – zumal jung und Social Media gewohnt – ohne den Mittler Galerist zusammenkommen. Eigentlich attraktiv. Für die ganz „Großen“ und Relativen verbietet sich das und für emerging artist ebenfalls, da in allen Fällen Galeristen meist Alleinvertretungsansprüche stellen. Also: no Website please und die Bewerbung bei anderen Galeristen ist in vielen Fällen vertraglich untersagt. Dem großen Rest steht im Prinzip alles offen. Doch die große Hürde bleibt weiterhin, als Künstler vom Interessenten gefunden zu werden. Das Netz verbindet zwar, ist aber trotzdem ein Ozean an Daten. Netzwerke wie Facebook könnten eine Option sein, doch ich persönlich bin kein Fan – speziell – davon. U. a. wegen des etwas zweifelhaften Rufs, aber auch weil ich das Netzwerken via Facebook für ähnlich mühsam und uneffektiv halte, wie bei xing.com und linkedin erlebt. Zeitfresser.

Durch optischen Schrott klicken
Da scheint es logisch, seine Kunst auf entsprechenden Onlineplattformen anzubieten bzw. dort nach Kunstwerken zu suchen. Denn diese stellen zielführend eine Verbindung zwischen Künstler und Interessent her. artnet.com beitreibt dies schon sehr lange, wohl auch sehr erfolgreich, aber eben für etablierte Künstler. Generell ist die Idee gut und passt in die heutige Zeit. artnetberlin.de schrieb im Jahr 2012, „der Online Kunstmarkt explodiert gerade“, naja... Was da explodiert, ist wohl eher die Vielzahl der Start-ups und Onlineplattformen in Sachen Kunst. Masse ist aber nicht Klasse, wenn sich etwa jeder Wald-Wiesen-Künstler anmelden darf. Oder sich sich der Interessent erst durch eine Menge optischen Schrott klicken muss, um dann entnervt ein attraktives Kunstwerk zu finden.

Kuratiert und sorgsam ausgewählt
Das Stichwort ist „Kuratierung“, soll heißen: Es gibt ein Auswahlverfahren und/oder die Künstler werden von den Betreibern persönlich angesprochen bzw. akquiriert. So kommt dann ein überschaubares und feines Angebot zustande. Zwei Plattformen möchte ich an dieser Stelle herausheben. Warum? Ganz einfach, weil ich damit gute Erfahrung gemacht habe.

Startyourart: Onlineauktionen
startyourart ist ein Online-Auktionshaus für junge Kunst. Die Betreiberin Jenny Seul hat mich nach einer Kunstmesse (Kuboshow) persönlich angesprochen. Die Auswahl der Künstler ist reduziert, die Website funktional, die Konditionen sind fair. Der Bietende zahlt ein Aufgeld und bei einer erfolgreichen Auktion entrichtet der Künstler einen gewissen Anteil des ersteigerten Preises. Die Abwicklung ist hochgradig professionell, Versandkosten und Versicherung der Kunstwerke übernimmt startyourart, man übernimmt lediglich dem Versand der Bilder.

 
 
 
 

Einzig mir „fehlte der Glaube“ an das Konzept, aus dem einfachen Grund: Ich empfinde eine Auktion als zusätzliche Hürde für einen Internetkauf, zumal wenn das Gebot steigt und das Budget des Kunstliebhabers dafür einfach nicht ausreicht. Doch was soll ich sagen? Exakt am 31. Dezember 2017 startete eine Auktion für zwei meiner Gemälde, was dann ein unerwarteter und fulminanter Jahresausklang war. Die kuratierte Auswahl sowie die Qualität der Kunstwerke und – wichtig – das mit dem Künstler festgelegte Startgebot machen dann vielleicht den Unterschied. Es wirkt seriös und schafft Vertrauen bei den Interessenten – ganz im Gegensatz zu den Onlineplattformen mit einer Legion von Künstlern und Startgeboten ab 1 Euro...

Kuboshow: Kunstmesse
So gut wie jeder Künstler träumt von einem Galeristen inklusive Ausstellung auf einer großen Kunstmesse. Art Cologne und Art Karlsruhe etc. sind für die meisten Kreativen einige Nummern zu groß. Und die ArtFair als ehemalige Leitmesse für junge und angeblich erschwingliche Kunst (maximal 4000 Euro) hatte schon zu ihrer Gründung Kunstwerke über 10.000 Euro und auch Größen wie Jörg Immendorf im Programm. 2016 ist dier ArtFair dann von Köln fortgezogen und zur Art Düsseldorf mutiert – wegen der Kaufkraft... Es gibt aber realistische Alternativen wie die Kuboshow. Seit mehr als 20 Jahren findet die Kunstmesse unter der Federführung von Holger Wennrich für zeitgemäße junge Kunst in den Flottmannhallen in Herne statt. Gezeigt wird jede Kunstrichtung, der Schwerpunkt liegt aber auf gegenständlicher Malerei. Die Messe richtet sich an junge, noch nicht etablierte Künstler von den Akademien. Sie präsentiert aber auch Künstler, die schon etwas länger dabei sind sowie Autodidakten. Denn auch hier besteht das Auswahlverfahren, letztendlich entscheiden dann Qualität und der Arbeiten und ob sie den Betreibern gefallen.

 
 
 
 

Ich habe mittlerweile vier Mal an der Kuboshow teilgenommen und meine Erfahrungen sind positiv. Das Ganze ist einfach professionell organisiert, das Kubo-Team ist gut eingespielt und die Konditionen sind fair, zumal der Künstler keinerlei Messebeteiligung abdrücken muss. Und wenn ein Bild verkauft wird, ist das Geld innerhalb von 8 Tagen auf dem Konto.

Kleiner Wermutstropfen: Info- und Bildmaterial oder Kunstpostkarten (Webadresse!) auszulegen, ist den Künstlern nicht erlaubt. Was auf den ersten Blick durchaus verständlich scheint, um so "unerwünschte Deals zwischen Interessent und Künstler“ zu vermeiden, ist aber in Internetzeiten obsolet: Das Gros der Künstler, die auf Kuboshow ausstellen, hat ohnehin eine eigene Website, auf der ihre Kontaktdaten stehen... Das läuft bei startyourart anders: Dort wird die Beigabe von Infomaterialien, Kunstpostkarten und die persönliche Ansprache des Käufers dem Künstler ausdrücklich empfohlen: Es wird als schönes Add-on gesehen, das dem Käufer ein gutes und Gefühl vermittelt und ggf. den Diskurs über die gekauften Kunstwerke ermöglicht.

Da die Künstler auf der Kuboshow-Website in eine Galerie eingepflegt sind (positiv!) – auch um die Bilder über das Jahr bis zur nächsten Messe zu verkaufen –, bietet es sich an, die Website stärker zu nutzen. Etwa das Blog aktiver zu beflegen, z.B. mit Gastbeiträgen der präsentierten Künstler oder Studioportraits etc., da ist vieles denkbar. Und dann auch über regelmäßige Mailings oder Facebookposts die Klientel zu informieren, wenn sich wieder etwas getan hat. Hier ist noch ein wenig Luft nach oben, aber vielleicht fehlt auch die Manpower...

Dennoch ist eine Teilnahme an der Kuboshow empfehlenswert für Künstler, die erste Schritte auf dem Kunstmarkt gehen und ihre Bekanntheit erhöhen möchten. Schöner Nebeneffekt: Es erscheint jedes Jahr ein hochwertiger Katalog, in dem jeder Künstler auf zwei Seiten präsentiert wird.

kunstbüro Düsseldorf: Kunst für Unternehmen und Private
Ein wie oben erwähntes Shopsystem hat das kunstbüro Düsseldorf längst eingebunden und das ganz unprätentiös und gleichzeitig übersichtlich. Die Schwerpunkte von Shop- und Galeriebetreiber Heinz Hachel sind Verkauf und Vermietung von Kunst an Unternehmen, Verwaltungen und Private. Der Service umfasst – eigenen Angaben zufolge, da ich noch keine Erfahrungen mit dem kunstbüro habe –, Konzeption, Präsentation der Künstlerauswahl, Analyse von Raum- und Lichtverhältnissen, einer professionellen Hängung bis hin zu deren Betreuung und Abbau bei Vermietung. Dabei kooperiert das kunstbüro mit Künstlern aus der Region und überregional mit solchen, die thematisch begeistern. Angeboten werden: Malerei, Grafik, Fotografie sowie Zeichnung und Objektkunst. Es findet also auch hier eine dezidierte Auswahl statt und es besteht ein fester Künstlerstamm, der hauptsächlich aus mehr oder weniger etablierten Kreativen besteht. Inwieweit und in welchem Turnus dieser erweitert wird und unter welchen Kriterien...? Einfach einmal nachfragen. Wobei der Schwerpunkt auch hier auf Akademiekünstlern liegt.

 
 
 
 

Kleine Auswahl von Onlineplattformen
affordable art fair, bietet eigenen Angaben zufolge erschwingliche Kunst und das bereits seit 1999 und inzwischen in 10 Metropolen, u.a. Amsterdam, Brüssel, Stockholm etc. und in Hamburg.

artflash, bietet Menschen mit wenig Zeit und großem Interesse an zeitgenössischer Kunst hochwertige Kunst-Originale weit unter Marktpreis.

curart Editionen, bieten junge Kunst für junge Sammler als Ready-to-hang-Kunst an, ab 99 Euro.

Pablo&Paul, bieten ausschließlich Unikate oder streng limitierte Edition an, somit soll Einzigartigkeit und Exklusivität garantiert werden, ab 100 Euro.

wooloo.org, ist eine internationale Ausschreibungsplattform für offene Kunstwettbewerbe jeder Art.

Beitrag und © Ute Latzke.
Die Images sind Screenshots der erwähnten Betreiber – mit deren freundlichen Genehmigung.

 

Rückblick imm cologne 2017

 

Inspirierende Einrichtungswelten...

Dieses Jahr habe ich sie mir wieder gegeben ­–­ die imm cologne 2017, nachdem ich letztes Jahr ausgesetzt hatte. Auch als großer Interieurdesignfan überlegt man sich einen Besuch angesichts der Eintrittspreise. Glücklicherweise hatte ich diesmal eine Messeakkreditierung, Dank an das IZB. Ob man hier die großen Trends entdeckt oder ihnen folgen sollte, sei dahin gestellt und bleibt jedem überlassen. Möbel wechselt man schießlich nicht so schnell wie Kleidung oder Schuhe. Trotzdem ist die imm cologne das Event, um sich Anregungen fürs Wohnen zu holen.

String, zeitloses Regalsystem

Extend Shelf von Design House Stockholm

Mein Fokus lag wie gehabt auf „Pure“ und den Hallen 2, 3, 10 und 11. Hier zeigten einerseits große Hersteller ihre neuen oder überarbeiteten Designs sowie junge Labels und Senkrechtstarter ihr Entwürfe. Pure-Talents bot Hochschulen und angehenden Designer ein Forum für neues und experimentelles Design.

Ein Tag auf der imm cologne ist eine Art „Möbel-Marathon“ und die Masse der Eindrücke überwältigt. Was mir vor die Kamera gekommen ist, hat also weder Anspruch auf Vollständigkeit noch spiegelt es vollumfänglich meinen Geschmack. Dafür war mir manches dann doch etwas zu bunt oder verspielt. Die Skandinavier „String“ mit der Neuauflage des legendären Regals oder „Design House Stockholm“ in zumeist weißen Designs sorgten optisch für einen angenehmen Ausgleich. Positiv aufgefallen sind mir auch so einige Werbematerialien und Printkataloge, allen von voran von Petite Friture, darin steckt ein gutes Designkonzept mit viel Liebe zum Detail, zum Katalog.

 
 

Beistelltisch Rotate, O. Schröder Industrial design

Highlight unter den Tischen
Diesmal habe ich mich hauptsächlich in Sachen „Beistelltisch“ umgeschaut, so dass das Thema Tisch in der Bildergalerie (unten) etwas überrepräsentiert ist :-). In der Halle 1 lädt der „Designers Market by blickfang“ an den Besuchertagen zum Shopping, was sonst auf der imm cologne nicht möglich ist. Hier entdeckte ich dann ganz überraschend mein persönliches Highlight: Den Beistelltisch „rotate“ von Olaf Schröder Industrial Design. Der minimalistisch gestaltete Entwurf in ausdrucksstarker Formensprache präsentiert durch einfache Drehungen zwei Ablageflächen, nach Wahl eine quadratische oder kreisförmige.

Das dünnwandige Material sorgt für Leichtigkeit in Handhabung und Optik. Die weiße Farbgebung mit den schwarzen Kanten betont den grafischen und architektonischen Charakter des Möbels. Der Entwurf erninnert mich an die Bilder von Mondrian, aber glücklicherweise ohne die dominanten Primärfarben zu transportieren.

 
 

Möbel aus Bugholz von Bar Gantz.

"Edge Table" von Roee Magdassi.

 
 

Der Fachbereich Innenarchitektur der Hochschule Kaiserslautern präsentierte mit BETONEN erste Gehversuche in Sachen Forschen und Gestalten mit Beton. Und die HNEE (Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde) verblüffte mit ihren Prototypen "Neue Türen". Weitere Highlights siehe Bildergalerie unten.

 
 

BETONEN, Projekt mit beton der Uni Kaisersläutern

Türen aus Eberswalde, HNEE.

Neuartiges Türdesign "Pine", HNEE

 
 

Ein Türmechanismus...

... der verblüfft. HNEE.

 
 
 

Bildergalerie imm cologne 2017

 

Ich hatte zunächst erwogen, meine Nikon mitzunehmen, das war mir aber doch zu
schwer, auch angesichts des Materials, das man einsammelt. Bereut habe ich das nicht,
die Bildqualität des iPhones ist schon verblüffend.

 

 

 

 

imm cologne 2017

 

Printkataloge: Mit Liebe zum Detail

Petite Friture ist der ausgefallene Name einer jungen französischen Interieurmarke, die sich mit jungen Talenten umgibt, deren neuen Designs überraschen. Ob Hocker, Tische, Lampen oder Dekoartikel – jedes Designerstück ist unkonventionell und kreativ. Mir ist das teilweise zu verspielt und zu farbig. Jedoch haben mich die beiden Printkataloge der Newcomer begeistert, weshalb ich sie gleich am Messestand abgegriffen habe und hier in Auszügen vorstelle, ebenso wie den Folder von muuto.

 
 

Mit Liebe zum Grafikdesign, dementsprechend gut gewählter Typografie und aufwändigen Details wie Letterpress und Ausstanzungen begeistert das Designkonzept von Petite Friture. Neben den zwei Printkatalogen der Franzosen zeigen die letzten drei Fotos den eher einfachen Folder von muuto. Die Dänen positionieren sich mit "New Perspektive" und vom Möbeldesign her geradliniger als Petite Friture. Teils ebenfalls farbenfroh, teils reduziert im monochromen Betonlook. 

Natürlich gab es weiteres interessantes Print- und Merchandizingmaterial, doch die Tasche ist dann irgendwann voll und leider kann man nicht alles mitschleppen. Aufgefallen ist mir noch "CUBE", ein Metropolmagazin für Architektur, modernes Wohnen und Lebensart, das über Projekte in unterschiedlichen Regionen Deutschlands (Düsseldorf, Köln, München, Hamburg, Berlin etc.) sowie in der Schweiz und Österreich berichtet. Der Inhalt und die Bilder halten, was der Name verspricht: Reduzierte und geradlinige Architektur und Interieurs. Insgesamt ansprechend gemacht, die Projekte sind gut gewählt, das Layout stimmig. Zu krisitieren wäre höchstens die sehr fette Akzentlinie unter den Headlines (mindestens 2 Punkt!) sowie die Tatsache, dass keines der Fotos im Anschnitt steht – außer bei den Anzeigen der Kunden. Das passt m.E. nicht zu den präsentierten, zumeist minimalistischen Interieurs und konterkariert die klare Anmutung des Magazins. Das ist aber auch Geschmackssache. 

Grundsätzlich zeigte sich auf der gesamten imm cologne, dass Printprodukte in der Interieur- und Möbelbranche – trotz Internet bzw. Instragram, Facebook Pinterest und Co. – weiterhin sehr präsent und beliebt sind. Da fließt viel Kreativität ein und offenbar sind die Budgets dafür vorhanden. Sehr erfreulich, sowohl für die Zulieferer wie Agentureren, Druckereien und Papierhersteller sowie für die Möbelbranche als auch den Endkunden. Denn der erhält gleich ein wertiges Lookbook zur Inspiration.

 

 

Architektur

 

Wi(e)der die Unken!

In Wuppertal tut sich endlich was, die B7 wird bald fertig und das neue Areal um den Döppersberg nimmt Gestalt an – wenn auch der Investorenkubus inkl. Primark weiterhin die Gemüter erhitzt. Und auch an anderen Stellen Wuppertals geht es voran. So auch im Briller Viertel, das laut Wikipedia zu den größten gründerzeitlichen Villengebieten Deutschlands zählt. Hier neu zu bauen, ist ein sensibles Thema – wegen hoher Auflagen vom Denkmalamt und grundsätzlich: Die Viertelbewohner schreien hier generell Zetermordio, wenn Neubaupläne laut werden, Tenor: „Passen nicht hierher!“ Aus.

Besonders erhitzten sich die Gemüter beim Neubau eines Mehrfamilienhauses der Niederländisch-reformierten Gemeinde, das im Herbst 2016 fertiggestellt worden ist. Vielmehr war es ein „Gemüt“, das kochte, und zwar das des Anwohners aus dem Haus Nr. 98 auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Die Westdeutsche Zeitung (WZ) zitierte O. von Blomberg in dem Beitrag "Gemeinde baut – nicht allen gefällt's" mit: „Das Briller Viertel wird verschandelt“, außerdem könne er nicht verstehen, dass „dafür eine Baumreihe gefällt werden muss“. Diese Empörung wirkt scheinbar berechtigt. Gerade auch dann, wenn die WZ einige Monate später im Bericht „Bauprojekte im Briller Viertel wachsen“ ein anschauliches Foto des mausgrauen Rohbaus veröffentlicht. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass solche Vorstufen von Gebäuden einfach mies aussehen!

Tatsächlich präsentiert sich jetzt nach der Fertigstellung ein gelungener Neubau. Bei dem Entwurf sind Gestaltungselemente der umgebenden und gegenüberliegenden Gründerzeithäuser aufgenommen und angemessen in moderne Architektur übersetzt worden. Es wirkt geradezu so, als hätte das Haus schon immer dort gestanden. Das sehe übrigens nicht nur ich so: Bei einem Spaziergang durch die Katernberger Straße mit mehren älteren Herrschaften äußerten diese unaufgefordert: „Das ist aber schön geworden, passt richtig gut, zu den anderen alten Häusern“. Chapeau!

-> zum Vergrößern auf die Bilder klicken.

Und was die ungebührliche Baumrodung betrifft: Längst sind um das Gelände vor dem Haus wieder kleinere Bäume bzw. Hecken angepflanzt worden. Jetzt heißt es Geduld haben, die müssen erst wachsen! Und: Der erzürnte Bewohner aus Nr. 98 schaut nun anstatt auf eine zuvor komplett geschlossene, viel zu eng bewachsene Baumreihe weit bis auf die Kaiserhöhe. Den Anwohnern der Häuser weiter oben wie Nr. 100 und folgende bietet sich gar ein fantastischer Panoramablick bis hin zu den Südstadthöhen inklusive Wuppertaler Uni.

Auch das Facelift an der Katernberger Straße 100 durch die Betreiber der Galerie Droste ist gelungen. Jetzt hat das ehemals leerstehende Bürohaus aus den 60ern neue bodentiefe Fensterfronten, die einen Blick auf laufende Ausstellung gewähren und eine optisch ansprechende Holzverkleidung. Passt hierher, ganz bestimmt!

Es kommt eben darauf an, wie etwas realisiert wird. Vielleicht sollten die lokalen Unken einfach einmal die Fertigstellung eines Bauvorhaben abwarten (sic! Döppersberg). Und dann später auch einmal offen zugeben oder einlenken, dass etwas gut geworden ist! Doch das passiert leider in Wuppertal eher selten...

Die neue und attraktive Adresse für Kunst an der Katernberger strasse 10 im Briller Viertel, Foto: Galerie Droste.

 

Herbstimpressionen...

 

... zum 1. November in der Hildener Heide

Ein goldener Herbsttag wie er schöner nicht sein kein, aufgenommen mit dem iPhone 6S, klick to enlarge...

 

Architektur

 

Markante Betonfassade mit warmer Ausstrahlung

Menschen, die sich wenig mit zeitgemäßer Architektur oder Bauen mit Beton beschäftigen, empfinden dies oft als kalt oder trist, Tenor: Ist das Gebäude schon fertig und soll das etwa so bleiben...? Das Museum für Architekturzeichnung in Berlin Prenzlauer Berg begeistert nicht nur durch seine kühne Konstruktion, sondern auch mit einer ganz besonderen Fassade aus gefärbtem Sichtbeton. Ein markantes Relief auf der gesamten Oberfläche gibt dem Gebäude Charakter, eine warme Ausstrahlung und Leichtigkeit: Die stilisierten Architekturzeichnungen wirken, als seien sie mit einem lockeren Federstrich ausgeführt.

 
 

Das Museum für Architekturzeichnung liegt auf dem Gelände des Pfefferbergs in Berlin-Prenzlauer Berg. Es präsentiert sich als viergeschossiger Massivbau mit einem gläsernen Staffelgeschoss. Beton und Glas bilden die Fassade, deren ungewöhnlich ornamentierte Oberfläche einen Kontrast zur Klarheit und Schlichtheit des Museumsbaus bildet: Die Fassade zieren stark vergrößerte Fragmente architektonischer Skizzen. Damit gibt die Außenhülle des Museums gleich Aufschluss, was den Besucher erwartet. Im Inneren kehren die Gestaltungselemente der Fassade in handgeschnitzten Holzpanelen der Wände wieder.

Das Museum beherbergt die Tchoban Stiftung und deren umfangreiche Sammlung von Architekturzeichnungen. 2009 gründete Stifter und Architekt Sergei Tchoban die Foundation, mit dem Ziel, die fantastischen und emotionsgeladenen Welten der Architekturzeichnung in Ausstellungen einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen.

Weitere Informationen zur Sammlung und Ausstellungen auf der Website der Tchoban Foundation.

 

Veranstaltung

 

Open Houzz bei Farrow&Ball in Düsseldorf

Am Donnerstag, dem 18. August 2016 habe ich beim "Open Houzz" in Düsseldorf teilgenommen. Das offene Haus bietet Experten aus den Bereichen Architektur, Interiordesign, Garten- und Landschaftsarchitektur, Einrichtungsberatung sowie Design, Kunst etc. Gelegenheit zum Networking. Veranstalter von Open Houzz ist die digitale Wohn- und Architekturplattform Houzz, die dieses Get-together regelmäßig in deutschen Metropolen und mit jeweils unterschiedlichen Branchenpartnern ausrichtet. Das "Open Houzz" in Düsseldorf bei Farrow&Ball war nicht nur ein schönes Wiedersehen mit meiner alten Wohngegend (Carlstadt), sondern auch eine gelungene und informative Veranstaltung im attraktiven Ambiente des brititischen Farbherstellers – und garnier wurde das Ganze mit einem köstlichen Catering...

Vor Ort erstaunte mich, wie viele Houzz-Experten die Gelegenheit zum Get together in Düsseldorf genutzt hatten. Grob geschätzt müssen es weit mehr als 50 Teilnehmer gewesen sein. Houzz-Markenbotschafterin Verena Zausch erklärte den Anwesenden in ihrem Vortrag sehr anschaulich die Entstehung, das Konzept und das Potenzial von Houzz – eine Wohn-und Architekturplattform, mit Büros in Palo Alto, London und Berlin, die Experten und Nutzer zusammenbringen soll. Aufschlussreich war ihr kleiner Exkurs zu den Marketingmöglichkeiten für Mitglieder – ein „Vorgriff“ auf die am Freitag Morgen ebenfalls bei Farrow&Ball stattfindende Houzz University. Das zeigte, dass die Plattform durchaus Potenzial bietet, gezielt Kontakte und Netzwerk zu erweitern oder Kooperationen zwischen den Experten aufzubauen, aber auch Kundenbeziehungen zu den houzz-Nutzer aus der Community anzustoßen.

Verena Zausch verwies außerdem darauf, dass es möglich und sinnvoll ist – neben der eigenen Website und dem bestehenden houzz-Profil – zusätzlich eine kostenlose Webpräsenz bei Houzz zu erstellen. Allein schon deshalb, weil sich hier die Projekte über die großformatigen Fotos attraktiv darstellen lassen. Gleichzeitig betonte Zausch wie wichtig es sei, das Houzz-Profil zu pflegen – etwa durch Angabe vollständiger Kontaktdaten ;-). Außerdem regte sie an, sich als Experte regelmäßig in der Houzz-Community umzutun und sich ggf. auch aktiv mit Tipps und Ratschlägen einzubringen.

Die Mitarbeiter von Farrow&Ball standen jeder Zeit zum Gespräch bereit und beantworteten die Fragen der Teilnehmer rund um die Welt der Farben sowie ihr Potenzial für Gestaltung und Interiordesign. Zum leckeren Catering gab es – neben dem Gratis-Farbfächer – ein zusätzliches Schmankerln, nämlich eine Verlosung des neues Farrow&Ball-Buches „How to decorate“.

Fazit: Eine wirklich gelungene Veranstaltung und das „Open Houzz“ an sich ist eine schöne Idee. Inwieweit die einzelnen Teilnehmern tatsächlich neue Kooperationen angestoßen haben, kann ich nicht beurteilen. Dafür waren es tatsächlich sehr viele Teilnehmer. Vielleicht jedoch ergeben sich im Nachhinein noch Möglichkeiten der Kontaktaufnahme...

 

Texter und Journalist...

 

...geht’s noch? Geht doch!

Foto: Getty Images

Foto: Getty Images

Als Texter und Journalist zu arbeiten, scheint für manche Zeitgenossen – zumeist Vertreter journalistischer Medien – der vielzitierte Widerspruch in sich zu sein, wie etwa Hassliebe oder Nullwachstum. Die simple Formel lautet: Beim einen geht es um Werbung und verkaufsfördernden Content = Kommerz, beim anderen um sachliche und aufwändig recherchierte Berichterstattung = Integrität. Nee, ist klar...

So sind alle integren Journalisten stets investigativ unterwegs, schreiben ausschließlich für Spiegel, FAZ, Süddeutsche, ZEIT, der Freitag, die TAZ oder Cicero und decken mindestens ein neues Watergate pro Jahr auf, am besten alles zusammen. Doch im echten Leben tun das die wenigsten, und das Gros – zumeist Freelancer – wird für sein Engagement mit Zeilenhonoraren auf Niedrigniveau entlohnt. Meinungsmacher sollten das mal im Hinterkopf behalten, wenn sie wieder einstimmen ins Klagelied von der schwindenden Qualität im Journalismus... Macht nix – Hauptsache ist doch, der Dünkel gegen die andere Disziplin wird weiter gepflegt, denn Texter haben ja eh nicht mehr drauf als „Geiz ist geil“...

Ob das so stimmt, hat mich nie interessiert. Ganz einfach, weil ich Anfragen von Medien und Verlagen sowie von Agenturen und Unternehmen erhalte. Und warum sollte ich diese ablehnen, zumal wenn ich die passende Lösung liefern kann? Die Projekte fallen somit vielfältig, spannnend und herausfordernd aus: Seien es Beiträge für Printmedien, etwa über Carsharing, zukunftsfähige Mobilität, die Relevanz von Pop up-Stores, Fachartikel über Architektur oder ein Essay über Fotografie. Auch PR-Artikel und Texte fürs Corporate Publishing und Websites, für ein medizinisches Blog oder ein Fotografieblog gehören dazu – genau wie das Entwickeln von Claims, eines passenden Wordings für ein Start-up in der Diätbranche und Namens für ein Kundenmagazin oder eine neue Rosensorte.

„Entweder oder“ ist selten eine gute Option und das Leben an sich – zumal als Freelancer – meistens eine Mischkalkulation. Dabei z(a)ählen letztendlich die Auftraggeber und deren Wünsche. Bei meiner Selbstständigkeit hat sich das „Sowohl als auch“ bewährt, Portfolio und Erfahrungen sind so stetig gewachsen. Wichtig ist, dass man stets neugierig, kreativ und flexibel bleibt, Neues wagt und sich was (zu)traut – auch im Zweifel einmal Nein zu sagen.

 

Fundstück 04

 

Enkelfähig: den Anstand bewahren

Cover Ausgabe 12 von "enkelfähig", Bildrechte: Haniel

Cover Ausgabe 12 von "enkelfähig", Bildrechte: Haniel

In der 12. Ausgabe von „enkelfähig” dreht sich alles um Anstand, insbesondere den in Unternehmen mehr oder wenig gepflegten. Diese Themenfülle um einen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Indikativ ist nicht etwa anstrengend, bemüht oder moralinsauer, im Gegenteil: In dem Unternehmensmagazin von Haniel werden interessante Fragen aufgeworfen, neue Sichtweisen vermittelt und Denkanstöße gegeben.

So etwa der Beitrag von Prof. Michael Corsten von der Universität Hildesheim, der seinen Beitrag einleitet mit den Fragestelltung: „Jeder Mensch verfügt über ein eigenes Wertesystem. Trotzdem verstoßen wir immer wieder dagegen. Gerade in Unternehmen. Warum eigentlich?“ Auch Journalisten und weitere Autoren aus den Bereichen Lehre und Wirtschaft sowie natürlich auch die Mitarbeiter und Führungsriege von Haniel geben ihre ganz persönliche Einschätzung, was Anstand ausmacht. Mancher sinniert etwa darüber: Was Anstand noch bringen soll..., warum Whistleblower auch keine Lösung sind... und warum es manchmal anständig ist, unanständiges Verhalten nicht zu bestrafen.... Nachgedacht wird auch darüber, dass sich – wer andere als Gutmensch beschimpft –, vom Anstand bedroht fühlt. Zusammenfassend lässt sich offenbar sagen: Anstand muss manchmal beschützt werden!

Nachschlag auf der Website
Auf der Website von „enkelfähig“ legt Haniel dann noch einmal nach, z.B. mit den fünf Geboten und zehn Thesen von Managementberater Reinhard K. Sprenger. Dessen vierte These lautet: "Verletze nicht die Autonomie der Mitarbeiter. Sie brauchen Vertrauen. In anständigen Unternehmen entscheiden Mitarbeiter selbst, wie sie im Rahmen ihrer Aufgaben handeln, und sind keinen herabsetzenden Kontrollen ausgesetzt."

Dieser auch vom Layout, von den Illustrationen sowie Fotostrecken her sehr anregende und spannende Diskurs zum Anstand ist nachvollziehbar, lehrreich und provokant. Vor dürfte das Thema auch Unternehmen dazu anregen, das Anstandsempfinden und -verhalten zu überdenken oder zu justieren, je nachdem...

Was bedeutet „enkelfähig?
Laut Haniel ist "enkelfähig" ein neues Wort für einen alten Anspruch des Unternehmens. Es gilt, wirtschaftlichen Wert zu schaffen und gesellschaftliche Werte zu stärken. Wer das will, muss das große Ganze verstehen: Wie verändern ökonomische Entscheidungen die Welt, in der wir leben – und die der Generationen, die nach uns kommen? Und welchen Beitrag kann jeder Einzelne durch sein individuelles Handeln leisten? Unter dem Motto „enkelfähig“ versucht Haniel, Antworten auf diese Fragen zu geben. Diese Antworten suchen wir aber nicht nur in den eigenen Reihen, sondern sind um einen breiten Horizont bemüht. Weil wir wissen: Gute und wichtige Gedanken finden sich selten in nur einem Kopf oder nur einem Unternehmen.

Weitere Informationen unter: www.enkelfaehig.de.

 

Feinschliff 03

 

Vom Grauen des Deppenbindestrichs...

Über das Deppenapostroph und -leerzeichen amüsiert oder ärgert sich der/die gewogene Leser/in immer wieder und das zu recht: So liest man z.B. von Anne's Bäckerei, Renten Versicherung, Auto Reifen oder Anana's im Angebot. Doch noch fieser anzuschauen ist der Deppenbindestrich. Das ist die ultimative Grausamkeit fürs Auge, leider weit verbreitet in nahezu allen schreibenden Kreisen und vor allem: Witz-Los...

Deppenapostroph: Da wird apostrophiert was das Zeug hält, so liest man: Foto's, Opa's Gebiss, den Tisch an's Bett stellen... etc. und dabei hat das kleine Häkchen in keinem der Beispiele etwas verloren, aber mal so gar nicht's! Der Zwiebelfisch vom "Spiegel" zeigt sehr anschaulich, wo ein Apostroph Sinn macht, wo es gesetzt werden kann und wo es sofort abgeschafft gehört.

Deppenleerzeichen: Weniger ist meistens mehr, stimmt hier aber keinesfalls. Der Mut zur Lücke oder das Leerzeichen ohne Sinn beeinträchtigt nur die Lesbarkeit von Texten: So zierte der Titel "Allgemein Bildung" ein Nachschlagewerk vom Weltbild Verlag. Und mit einem "Spazier Stock" flaniert es ich wohl kaum eleganter als mit dem Spazierstock, liest sich nur schlechter.

Deppenbindestrich: Bei dieser Unart ist es besonders ärgerlich, dass sie beharrlich gehegt und gepflegt wird und dies leider von allen Instanzen der schreibenden Zunft. Was sollen Wortkonstrukte wie Pizza-Teig, Computer-Experte, Rum-Aroma, Fitness-Trainer, Meer-Enge, Einrichtungs-Ideen... und wer braucht diese Schreibweise? Ist ein Pizzateig, die Meerenge oder der Lottoschein nicht mehr zumutbar oder mutmaßlich zu komplex für den Leser? Bezeichnend und ebenso wirr ist die Inkonsequenz der Autoren. So schreibt mancher Fluss-Ufer und gleichzeitig Segelboottrailer, von der Party-Stimmung und dem Holzkohlegrill. Der Duden sieht einen solchen Koppelwortwahn nicht vor, dort heißt es lediglich: Der Bindestrich kann zur Hervorhebung oder Betonung gesetzt werden, also z.B. "Ich-Sucht". Oder um Komplexität zu vermeiden, wie etwa "Sauerstoffflaschen-Muffenverbindung".

Doch sonst...? Sieht es dann so aus wie auf "Stupedia": "Als Deppen-Binde-Strich bezeichnet man die Un-Fähigkeit mancher Zeit-Genossen, zwei Nomen zu einer Wort-Kombi-Nation zu-sammen-zu-fügen. Besser gesagt, das Stil-Mittel, das der Aus-Führ-Ende dabei verwendet. Richtiges Kombi-Nieren zweier eigentlich verfeindeter Wörter ist natürlich auch sehr kompliziert. Daher verwendet der unwissende Schreibende (im Volks-Mund auch "Depp" genannt) einen Binde-Strich zur sinn-stift-enden Zusammen-Führung der Teil-Worte. Das-s dies nicht unbedingt eine ästhetische Angelegenheit ist und so manchen verstorbenen Deutsch-Lehrer im Grabe rotieren lässt, liegt ja offen-kundig auf der Hand." Herr-Lich oder?

 

Fundstück 03

 

... A FOREST denken Musik neu

Five Fruits, AFOREST, Bildrechte: AFOREST

Five Fruits, AFOREST, Bildrechte: AFOREST

Der eigene Entwurf von Musik, der überzeugt: Eine ungewöhnliche Besetzung aus 2 männlichen Stimmen, Schlagzeug und Synthesizern sowie Samples, die Einflüsse aus Electronica, Kammerpop, Singer-Songwriter, altem Soul und Minimal Techno zu einem sehr gekonnten Klangteppich verweben: atmosphärisch dicht, schön elektronisch, einfach: grandios. Das sind A FOREST in der Besetzung von Arpen, Fabian Schuetze und Friedemann Pruss.

So außergewöhnlich der Sound von A FOREST, so unkonventionell ist die Idee von Musik und deren Vermarktung. Die drei sagen nämlich: "Wir sind keine Musiker mehr... und Musik ist da, um geteilt zu werden". Natürlich werde sich die Anziehungskraft von Musik nie verändern, doch: "Die Bedingungen der Produktion und Distribution von Musik haben sich in den vergangenen 20 Jahren sogar ganz grundlegend verändert. Die größte Herausforderung dabei steckt nicht in der Technik, in MP3s oder Filesharing, sondern in unseren Köpfen. Wir als Künstler, Produzenten und Vermarkter müssen neue, passendere Wege finden, Musik unter digitalen Bedingungen zu veröffentlichen. I AM A FOREST ist ein Beitrag zu dieser neuen Kultur..."

Praktisch heißt das: Die drei Musiker denken nicht in Kategorien eines kompletten Albums, ob Vinyl oder CD, sondern in Etappenzielen. "Ein Album entwickelt sich ... Hier machen wir diese Phasen sichtbar und stellen unterschiedliche Versionen von Songs vor. Es geht darum, am Strom teilzuhaben, zu kommentieren, zu bearbeiten. Wir denken damit die Idee des unabhängigen, selbstständigen Musikers neu."

Die Idee: Die Fans werden als Samen (Seed) Teil dieses Prozesses. Aus diesen Seeds gedeihen die Blätter (Leaves) bzw.  Bäume und daraus entsteht irgendwann ein Wald... Anders ausgedrückt: Ein anständiges Auskommen als Musiker. Die Seeds sind zum Beispiel: Visits auf der Website, Newsletterabos, Likes on Facebook, Videostreamings. Die Leaves sind bezahlte Streamings auf Spotify und Bandcamp, Vinylverkaufe, CD- und T-Shirt-Verkäufe, Downloads auf iTunes und Livekonzerte etc...

Musik auf diese Weise neu denken – das macht Sinn. Und hört sich vollem sehr gut an (> Bandcamp). Also: Samen säen und einen Wald ernten!

 

Fundstück 02

 

...Von Freunden, über kreative Freunde für alle

Das englischsprachige Onlinemagazin "FreundevonFreunden" (www.freundevonfreunden.com) bietet intime Einblicke in die Lebens- und Arbeitssituation von Künstlern, Designern, Architekten, Schauspielern und anderen Kreativen. Das Projekt startete 2009 zunächst als kleineres Interviewblog.

Damals besuchten die Macher von FvF aus Berlin ihre Freunde und deren Freunde und stellten die Wohn- und Kreativwelt der Befragten in sehr persönlichen Interviews und Fotostrecken vor. Inzwischen hat sich FvF zu einer umfangreichen Lifestyle-Plattform entwickelt, die international agiert, Bücher und Magazine herausbringt, einen Shop hat und mit dem Onlinemagazin der ZEIT, dem Möbelhersteller Vitra sowie Adidas kooperiert.  

Interessant und wenig "mainstreamig" liest sich die wöchentlich erscheinende Linkliste mit ausgewählten und kommentierten Adressen rund um Kultur, Kunst, Lifestyle und Musik. Die mittlerweile auf der FvF-Website verfügbaren 100 "Mixtapes" sind ein besonderes Highlight: In den etwa einstündigen Streamings stellen internationale Radiostationen, DJays und Musiker ihren persönlichen Soundmix aus Electro, Jazz, House, Techno etc. vor. Eine Tracklist ist auch dabei, vorbildlich!

 

Blech oder Gold...

 

Qualität kostet – so banal wie wahr

Texte zu verfassen, halten die meisten für keine große Sache. Wozu also viel Geld für einen professionellen Texter ausgeben? Schreiben kann doch jeder, das hat man schließlich in der Schule gelernt...

Das stimmt, doch nur auf den ersten Blick. Denn einfach etwas dahin schreiben, ist das eine, einen professionellen Text zu verfassen das andere. Das fordert Erfahrung, Kompetenz und viel Zeit. Und was viele außer acht lassen: Je kürzer ein Text ist und je weniger er seine Leser anstrengt, desto mehr Arbeit steckt in ihm! Daher ist ein schnelles Getippe wenig zielführend und auch nur scheinbar preiswert, siehe dazu "Veinschliff 02".

Günstig ist die Gelegenheit vielmehr, mit diesem Text den ersten wichtigen Eindruck bei der Zielgruppe zu verschenken. Ist ein Text hingegen sorgfältig recherchiert, gut lesbar geschrieben und transportiert somit wesentliche Informationen und klare Botschaften, macht er Ihre Kommunikation erfolgreicher. Je weniger ein Text seine Leser anstrengt, desto mehr Arbeit steckt in ihm. Eine Arbeit, die sich lohnt.

Preiswert oder lieber Mehrwert?
Qualität hat ihren Preis, und vielleicht erscheint er Ihnen zu hoch. Aber orientieren Sie sich daran, dass etwas „preiswert“ ist oder doch lieber am Mehrwert, der durch den Kauf eines hochwertigen Produkts entsteht? Die Frage sei erlaubt. Und der britische Schriftsteller und Sozialphilosoph John Ruskin (1819-1900) beantwortet diese eindeutig. Man könne für wenig Geld keine herausragende Leistung verlangen: „Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.“

Weiter wird Ruskin zitiert mit: „Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.

Übrigens: Auf das interessante Zitat von John Ruskin brachte mich der Beitrag „Billig und unwillig von Andreas Maxbauer auf PAGE-Online. Die Auslassungen des Designers, Autors und Dozenten bei der Allianz deutscher Designer (AGD) zum Thema "preiswert oder Preis wert" sind durchaus lesenswert.

 

Feinschliff 02

 

Schneiden Sie diesen ollen Zopf ab!

Was Kunden von Ihnen oder Ihrem Unternehmen „erwarten können“, interessiert nicht wirklich, sondern was Sie tatsächlich bieten oder für andere tun. Trauen Sie sich: Schneiden Sie diesen verbalen alten Zopf doch einfach ab und treffen Sie klare Aussagen.

Noch immer und gerne verbinden Menschen Aussagen bzw. Verben mit dem Hilfsverb kann oder können, anstatt klar und aktiv zu formulieren. Häufig zu lesen in Stellenanzeigen, Leistungsbeschreibungen oder Imagetexten von Unternehmen. Die Möglichkeiten und Beispiele sind grenzenlos: „Das können Kunden von unserem Service und unseren Produkten erwarten... Das können Bewerber von uns/ihrer neuen Stelle erwarten... So können Sie sich in unserem Unternehmen entwickeln...“ Also, ob der potenzielle Partner das kann oder tun wird, wissen Sie nicht ;-). Auch in vielen Bewerbungsanschreiben sehen sich Arbeitgeber immer noch mit dem frommen Bekenntnis konfrontiert, welche Leistung er von seinem potenziellen neuen Mitarbeiter "erwarten kann". 

Ernsthaft: Dieses Kann-Können-Konstrukt setzt der Verfasser vielleicht mit der Absicht ein, weil es höflicher erscheint oder mutmaßlich Verbindlichkeit und Vertrauen schafft. Das ist zwar gut gemeint, doch solche Formulierungen lesen sich unschön, wirken halbgar und unsicher. "Sie können uns Vertrauen." Das klingt so, als sei der Schreiber selbst nicht wirklich davon überzeugt, dass er auch Vertrauen verdient oder sein Unternehmen etwas zu bieten hat.

Tipp: Besser klare und eindeutige Aussagen treffen: „Vertrauen Sie uns und auf unsere jahrelange Erfahrung... Das erwartet Sie in Ihrem neuen Job/Ihrer neuen Stelle... Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber und bieten Ihnen... Diesen Service garantieren wir unseren Kunden... Unser Service macht Sie/Ihr Unternehmen erfolgreicher. Wir liefern Ihnen vielfältige Produkte in bester Qualität... etc.". 

So beziehen Sie eindeutig Position, zeigen Profil und bringen Ihre Vorzüge und Leistungen auf den Punkt. Außerdem: Konsequent angewendet werden Texte präziser, prägnanter, informativer und wesentlich kürzer.