Architektin und PR-Expertin Natalie Bräuninger im Interview | 10plus1 Fragen no 21

NATALIE BRÄUNINGER, FOTO: Kristina Schröder

NATALIE BRÄUNINGER, FOTO: Kristina Schröder

„Architekten und auch Architektur an sich müssen viel sichtbarer werden. Und da bremsen wir uns selbst aus.“

Natalie Bräuninger – ist Architektin und seit 2018 verantwortlich für die Presse und Öffentlichkeitsarbeit bei RKW Architektur + in Düsseldorf. Nach ihrem Studium in Stuttgart, Straßburg und Paris und einigen praktischen Jahren im Planungsbüro spezialisierte sie sich auf die Kommunikation von Architektur. So war sie unter anderem für die db deutsche bauzeitung, die Zeitschrift AIT, das Internetportal koelnarchitektur, den Kölner Express oder die Kölnische Rundschau journalistisch tätig. Sie engagiert sich für die Interessengemeinschaft Angestellter Architekten (IAA) und ist Mitglied der Vertreterversammlung der Architektenkammer NRW sowie des Ausschusses Öffentlichkeitsarbeit.

Im 10&1 ArchiteXt spricht sie über ihre Vorbilder, die alle nichts mit Architektur zu tun haben. Von der Branche wünscht sich mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit und Architektinnen ermutigt Natalie Bräuninger, selbstbewusster zu sein.

 

1. Wären Sie nicht Architektin geworden, dann...?
... wäre ich wahrscheinlich bei einer Zeitung gelandet. Bereits im Abi-Magazin stand zu meiner Person „Zeitung der Schule“. Die Verbreitung von Informationen und die richtige Kommunikation sowie Sprache haben mich schon immer fasziniert.

2. Wer sind Ihre Vorbilder oder welche Persönlichkeiten inspirieren Sie?
Menschen, die in sich ruhen, eine Haltung haben und die mutige Entscheidungen treffen wie z.B. meine beste Freundin, meine Mutter oder meine Chefin. Ansonsten begeistern mich Persönlichkeiten wie Verena Pausder, Tijen Onaran, the real life guys oder Elmira Rafizadeh. Das sind alles keine Architektinnen, aber wir in der Architektur können viel aus anderen Bereichen mitnehmen.

3. Welche Bücher, Magazine, Serien oder Musikstücke begeistern Sie?
Natürlich lese ich nur Architekturmagazine und schaue ausschließlich Arte. Spaß! Ich mag Oscar Wilde und Haruki Murakami, liebe Rock-Musik aus den 80ern und mein Netflix-Abo.

4. Welches Bauwerk beeindruckt Sie?
Das Centre Pompidou in Paris. Hier habe ich schon als Kind – und dann später in meiner Studienzeit in Paris – so viele schöne Tage verbracht. Am liebsten auf dem Platz davor beim Beobachten der Gaukler und Jongleure. Dieses Gebäude steht im Herzen von Paris und doch integriert es sich so selbstverständlich in die Stadtstruktur.

5 . Was bremst Architekten aus in ihrer Vision, was sind die Herausforderung?
Wir Architekten und auch Architektur an sich müssten viel sichtbarer werden. Und da bremsen wir uns m.E. selbst aus. In unseren Büros entstehen so viele tolle Visionen zur Zukunft unserer Städte, zum Wohnen, zum neuen Arbeiten usw. Das muss alles gezeigt und passend kommuniziert werden!

6. Die Rolle der Architektin ist heiß diskutiert. Viele beklagen fehlende Anerkennung oder Verantwortung. Zu recht?

Teil teils. Es stimmt: Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass männliche Kollegen tatsächlich mehr verdienen bzw. das auch im Vorstellungsgespräch anders einfordern. Oder dass in Baubesprechungen die Kollegin weniger ernst genommen wird. Das gibt es schon. Doch von alleine kommt diese Anerkennung und Verantwortung meist nicht. Hier sollten wir Mädels etwas selbstbewusster und vielleicht sogar „macho-mäßiger“ sein – natürlich auf die weibliche Art.

7. Woran liegt es, dass zeitgemäße Architektur mitunter polarisiert?'
Wir müssen die Menschen mitnehmen, sie unsere Leidenschaft spüren lassen. Ihnen erklären, warum wir die Dinge so tun, wie wir sie tun. Ich versuche das täglich bei meinen Kindern, wenn wir durch die Stadt gehen. Oder aber bei meinem Schwiegervater, der sich immer über „diese Architekturklötze“ aufregt. Hier ist der enge Draht zur Tagespresse extrem wichtig, denn da können wir versuchen, diese Distanzen abzubauen und Architektur greifbarer zu machen. Auch der Tag der Architektur kann dabei helfen und die Präsenz in den sozialen Medien. Wundervoll fände ich es, wenn wir uns als Architekten zusammenschließen und gemeinsam auftreten würden – für mehr Präsenz in der Öffentlichkeit.

10. Sie haben als Architektin und Mensch drei Wünsche frei, welche?
Ich wünsche mir mehr Solidarität und Verständnis füreinander, ein besseres Bildungskonzept für unsere Kinder und einfach etwas mehr Gelassenheit im Leben.

11. Was planen Architektur RKW Architektur+ für die nächsten Jahre?
Wir konzentrieren uns auf die Umsetzung nachhaltiger Ziele. Das klingt jetzt etwas abgedroschen, aber wir möchten unseren Bauherren konkrete Alternativen in der Planung aufzeigen. Mit welchen Materialien minimieren wir unseren ökologischen Fußabdruck? Welche Richtlinien müssten ggf. angepasst werden? Wer sollte mit wem sprechen und kooperieren, damit diese Ziele erreicht werden? Architekten haben große Verantwortung und viele Möglichkeiten, da sie in so vielen unterschiedlichen Bereichen und Branchen tätig sind. Und wir in der Kommunikation müssen das dann nur noch sichtbar machen!

 ◾ Weitere Informationen auf rkw.plus sowie Instagram @rkwarchitekturplus.

 ◾ Hier geht es zu allen 10&1 Interviews by textart, zum textart Blog.

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Anm. der Redaktion V. Pausder ist Young Global Leader und macht sich stark für digitale Bildung. Tijen Onaran ist ist Unternehmerin, Investorin, Bestseller-Autorin. The real life guys ist ein YouTube-Kanal der Zwillingsbrüder J. und Ph. Mickenbecker. Elmira Rafizadeh ist deutsche Schauspielerin.